Mein Klassenzimmer, meine Regeln – Grenzen setzen im Lehreralltag

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Es ist 14:55 Uhr, das Klingelzeichen ertönt: Dieser Schultag neigt sich dem Ende zu. Sie führen noch ein kurzes Gespräch mit einer Schülerin, räumen Ihr Klassenzimmer auf und verabschieden sich von Ihren Kollegen. Eine Klausur zurückgegeben, ein erfolgreiches Elterngespräch geführt und eine erfreulich aktive Stunde mit der Oberstufe erlebt – ja, Sie sind zufrieden mit diesem Tag, eigentlich. Denn neben Zufriedenheit macht sich noch ein anderes Gefühl bemerkbar. Nanu, da nagt auch Ärger an Ihnen. Sie lassen Ihren Schultag noch einmal Revue passieren. Warum nur haben Sie dieses Jahr schon wieder zugesagt, den Tag der offenen Tür zu organisieren, obwohl Sie doch in dieser Zeit besonders viele Korrekturen zu erledigen haben? Hätten Sie die Vertretung für Ihren Kollegen, der wieder eine Fortbildung besuchen möchte, auch ablehnen können? Es ist toll, dass Sie immer engagiert und hilfsbereit sind. Allerdings nur, solange Sie sich selbst damit wohlfühlen. Falls nicht, ist es Ihre Aufgabe, Grenzen zu setzen. Das Lehrer|Schüler-Team unterstützt Sie gerne dabei.

>>> Wie möchten wir miteinander sprechen?

Vielleicht kennen Sie folgendes Szenario: Sie unterhalten sich in Ihrem Klassenraum mit einer Kollegin über zwei gemeinsame Schüler, welche in der Pause in einen heftigen Streit geraten sind. Ihnen beiden ist die Angelegenheit wichtig und Sie beratschlagen, wie Sie mit der Situation umgehen. In dem Moment kommt Kollege X herein und ruft: „Hallo Karin, gut, dass ich dich hier treffe. Hast du schon die Räume für die Projektwoche reserviert?“ Und schon ist Ihr Gespräch unterbrochen. Sie sind hin- und hergerissen. Ja, natürlich, die Projektwoche findet nächste Woche in der Mittelstufe statt. Das ist wichtig und muss erledigt werden. Aber zunächst soll doch der Streit geklärt werden. Ihre Gesprächspartnerin schaut Sie erwartungsvoll an. Sie möchte das begonnene Gespräch fortsetzen.

Lehrer|Schüler - Beratung für Lehrer und Referendare | lehrerschueler.de

Lehrer|Schüler – Beratung für Lehrer und Referendare | lehrerschueler.de

Nun ist es an Ihnen, die Situation zu klären. Wenn für Sie feststeht, dass Sie nicht derart unterbrochen werden möchten, teilen Sie das genauso mit! Nichts Anderes versuchen Sie doch, Ihren Schülern zu vermitteln: Den Anderen ausreden lassen! Keine Gespräche unterbrechen! Wertschätzend miteinander umgehen! Setzen Sie also hier eine Grenze und sagen Sie Ihrem Kollegen höflich, aber bestimmt, dass Sie sich bereits in einem Gespräch befinden und sein Anliegen gerne später in Ruhe mit ihm besprechen! Nutzen Sie auch das Angebot von Lehrer|Schüler und lassen Sie sich persönlich und vertraulich beraten!

>>> Wer bestimmt über meine Zeit?

Als Kollege X Sie gesehen hat, hat er Sie auf der Stelle angesprochen, weil er ein Anliegen hatte, das ihm wichtig war. Das ist vollkommen nachvollziehbar. Ähnlich verhält es sich mit Ihren Schülern. Während Ihres Unterrichts erhalten sie jede Menge neuer Informationen, vielleicht kündigen Sie sogar die nächste Klassenarbeit an. Manch einer hat Fragen zum Unterrichtsgeschehen oder möchte Ihnen stolz berichten, dass er eine tolle App zum Vokabellernen gefunden hat. Ein anderer möchte Ihnen in einem vertraulichen Gespräch erzählen, warum er heute Morgen zu spät gekommen ist. All das ist Ihren Schülern wichtig und zeugt außerdem von Vertrauen. Dieses hohe Gut wollen Sie pfleglich behandeln. Genau deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihre persönlichen und beruflichen Grenzen kennen und klar kommunizieren!

Wenn Ihre Schüler Sie also nach Unterrichtsschluss mit Fragen bestürmen, derer Sie sich in der kurzen Zeit bis zur nächsten Stunde gar nicht annehmen können, teilen Sie dies deutlich mit! Sie müssen vielleicht den Raum wechseln, sind für die Pausenaufsicht eingeteilt oder brauchen einfach eine kurze Verschnaufpause. Gehen Sie also nicht halbherzig oder kurz angebunden auf die Fragen ein, sondern bieten Sie stattdessen Alternativen an! Bestimmt können Sie einen späteren Termin vergeben, zum Beispiel nach Schulschluss. Oder Sie bieten eine wöchentliche Sprechstunde an. Denken Sie daran: Dies ist Ihr Klassenzimmer, legen Sie also die Regeln fest und kommunizieren Sie diese wertschätzend!

Falls Sie gerade Zeit haben, sich mit Ihren Schülern und ihren Anliegen auseinanderzusetzen oder falls jemand ein akutes Problem hat, nehmen Sie sich selbstverständlich die Zeit! Natürlich ist es an Ihnen, Prioritäten zu setzen. Wichtig ist, dass Sie selbst entscheiden, wie Sie Ihre Zeit nutzen, wann Sie verfügbar sind und wann nicht (Akutfälle ausgenommen). Seien Sie der aktive Part, damit nicht über Sie und Ihre Zeit verfügt wird! Falls Sie sich bei der Umsetzung noch Unterstützung wünschen, nutzen Sie zum Beispiel die kollegiale Fallberatung von Lehrer|Schüler!

>>> Wo verlaufen meine persönlichen Grenzen?

Als Lehrerinnen und Lehrer arbeiten Sie täglich mit jungen Menschen. Das ist bereichernd und für viele einer der Gründe, warum man sich für diesen Beruf entschieden hat. Sie dürfen Schüler unterrichten, unterstützen, begleiten. In diesem Gefüge aus Lehrern, Schülern und Mitschülern entstehen Reibungspunkte. Jede Lehrkraft sieht sich in ihrer beruflichen Laufbahn mit Konflikten konfrontiert. Dazu gehört zum Beispiel respektloses Verhalten der Schüler untereinander oder gegenüber der Lehrkraft. Plötzlich ist sie da, die verletzende Äußerung.

Insbesondere in den ersten Berufsjahren sind Lehrkräfte oft erst einmal verblüfft und fragen sich, ob sie richtig gehört haben. Schüler überschreiten Grenzen, sie testen sie aus und begreifen sehr schnell, wo sie verlaufen. Und das ist bei jeder Lehrerin und jedem Lehrer, dem sie begegnen, ein bisschen anders. Deshalb ist es auch hier Ihre Aufgabe, Ihre eigenen Grenzen zu setzen und dafür zu sorgen, dass diese nicht verletzt werden. Vielleicht müssen Sie sich das auch erst einmal selbst bewusst machen. Je klarer Sie sich selbst darüber sind, desto deutlicher können Sie Grenzen und daraus resultierende Regeln kommunizieren. Lassen Sie sich dabei nicht von Vergleichen der Schüler mit Ihren Kollegen beirren! Was für Ihre Kollegin noch okay ist, mag für Sie vielleicht nicht mehr tolerierbar sein. Vertrauen Sie auf Ihre Intuition!

Es fällt Lehrern manchmal schwer und doch ist es ein elementarer Teil des Lehrerdaseins: Grenzen setzen, Regeln aufstellen und darauf achten, dass diese beachtet werden. Je bewusster man sich über die persönlichen Grenzen ist und je klarer man diese kommuniziert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Gegenüber diese akzeptiert. Nur so sind sowohl eine langjährige berufliche Zufriedenheit als auch ganzheitliche Gesundheit möglich, denn häufige Grenzüberschreitungen, die man geschehen lässt und über die man sich hinterher ärgert, verursachen negativen Stress. Außerdem können Sie Ihren Schülern ein Vorbild sein, sodass diese schon frühzeitig lernen, sich Ihrer Grenzen bewusst zu sein und diese zu respektieren – bei sich selbst und ihren Mitmenschen.

>>> Passende Beratungsangebote von Lehrer|Schüler


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Mein Klassenzimmer, meine Regeln - Grenzen setzen im Lehreralltag
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Mein Klassenzimmer, meine Regeln - Grenzen setzen im Lehreralltag
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Blog von Lehrer|Schüler: Mein Klassenzimmer, meine Regeln - Grenzen setzen im Lehreralltag. Als Lehrer nein sagen lernen. | lehrerschueler.de
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