Suizidgedanken im Lehramtsreferendariat – Depressionen bei Referendarinnen und Referendaren im Vorbereitungsdienst f├╝r ein Lehramt

Gesch├Ątzte Lesedauer: 5 Minuten

Heute widmen wir von Lehrer|Sch├╝ler uns einem echten Tabuthema, das im Rahmen der Lehramtsausbildung vielerorten entweder totgeschwiegen oder nicht ausreichend ernstgenommen wird, in jedem Fall aber leider h├Âchst relevant ist: Viele Referendarinnen und Referendare eines Lehramts entwickeln w├Ąhrend der Ausbildung zur Lehrkraft ernsthafte depressive Verstimmungen, die im Extremfall in Suizidgedanken im Lehrerberuf enden k├Ânnen. Die massive und alles ├╝berschattende Krankheit der Depression ist heutzutage in der Mitte der Gesellschaft angekommen und unter angehenden Lehrerinnen und Lehrern eine der dramatischsten Begleiterscheinungen des Referendariats und des sp├Ąteren Alltags als Lehrkraft. Wir gehen diesem Ph├Ąnomen heute vor dem Hintergrund unserer Beratungserfahrungen auf den Grund.

>>> Die T├╝cken der Depression: Eine untersch├Ątzte Volkskrankheit

Eine Depression ist weit mehr als „nur schlechte Laune haben“ oder „einmal schlecht drauf sein“; wer schon einmal einen depressiven Schub hatte, der wei├č nur zu gut, dass die Gef├╝hle der kr├Ąftezehrenden Antriebslosigkeit, der vermeintlichen Sinnlosigkeit des eigenen Tuns und der gef├╝hlten Ausweglosigkeit aus der eigenen Lage so ├╝berw├Ąltigend sein k├Ânnen, dass sich diese Krankheit wie ein Schleier auf das komplette Lebensgef├╝hl legt. Sie ist besonders hinterh├Ąltig, weil die seelischen Tiefs, die sie mit sich bringt, unberechenbar und heimt├╝ckisch sind – sie kommen und gehen wie sie wollen und niemand kann mit Gewissheit sagen, wie lange eine Depression dauert und ob sie nicht im Laufe des Lebens wiederkehrt – was sie h├Ąufig tut, wenn sie erst einmal ausgebrochen ist.

Lehrer|Sch├╝ler - Beratung f├╝r Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

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Au├čenstehende k├Ânnen nach der Erfahrung von┬á Lehrer|Sch├╝ler aus unz├Ąhligen Beratungsgespr├Ąchen mit Referendarinnen, Referendaren und fertig ausgebildeten Lehrkr├Ąften das massive Leiden Betroffener oftmals nicht erkennen, da diese sich nicht selten hinter einer Maske der zur Schau getragenen Fr├Âhlichkeit und demonstrativen Unbeschwertheit verschanzen – meist nicht bewusst, sondern intuitiv aus Selbstschutz und als Gegenpol zur ├╝berm├Ąchtigen seelischen Einsamkeit, die sie ├╝berf├Ąllt, wenn sie allein sind oder es dunkel wird. Selbst Personen, die Depressiven nahestehen, ahnen oft nicht, wie es in diesen wirklich aussieht. Man kann von einer Art „Doppelleben“ sprechen, das viele Depressive f├╝hren, zumal sich diese oft selbst nicht eingestehen k├Ânnen, massiv psychisch erkrankt zu sein.

Einerseits erkennen viele Menschen also oft nicht, wenn jemand depressiv ist; andererseits sind sie, wenn sie es dann doch realisiert haben, oft hilflos und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Dies ist insbesondere dann oft der Fall, wenn die Betroffenen aus der Au├čensicht anderer Menschen doch anscheinend allen Grund h├Ątten, sich des Lebens zu freuen, weil sie z.B. in einer scheinbar erf├╝llten Partnerschaft leben, ein Haus und Kinder haben, in einem gut bezahlten Job arbeiten und in materiellem Wohlstand wohnen. Somit wird eine ernsthafte Depression gerne einmal als „Jammern auf hohem Niveau“ abgetan – was die missliche Lage Depressiver, die dringend auf Gespr├Ąche mit anderen Menschen ├╝ber ihre Situation angewiesen w├Ąren, weiter versch├Ąrft.

>>> Wieso rutschen viele Lehramtsreferendarinnen und Lehramtsreferendare in eine Depression?

Der Lebensabschnitt des Referendariats f├╝r ein Lehramt ist nach Ansicht von Lehrer|Sch├╝ler der „perfekte“ N├Ąhrboden f├╝r Depressionen unter Lehrkr├Ąften in Ausbildung. Es ist eine sehr anstrengende Zeit, in der Vieles zusammenkommt, das einzeln f├╝r sich genommen schon das Potenzial h├Ątte, eine Depression heraufzubeschw├Âren: W├Ąhrend des Referendariats klagen viele P├Ądagoginnen und P├Ądagogen ├╝ber die massive Arbeitsbelastung und eine insgesamt starke ├ťberlastung – mit Planungen und Korrekturen durchgemachte N├Ąchte sind im Vorbereitungsdienst eher die Regel als die Ausnahme, woraus Schlafmangel und ein strapaziertes Nervenkost├╝m resultieren k├Ânnen. Hinzu kommt die je nach Seminar und Seminarlehrkraft zwar unterschiedlich ausgepr├Ągte, in der Regel jedoch ├╝berbordende Erwartungshaltung der Ausbilderinnen und Ausbilder – anstatt die innere Anspannung der Auszubildenden sanft auszubalancieren, steigern sie diese oft noch massiv unter dem Deckmantel, dass das Referendariat eine Zeit der Auslese und als physische und psychische Belastungsprobe angelegt sei. Dazu kommt noch eine massive soziale Isolation, die viele Referendarinnen und Referendare beschreiben – Familie und Freunde k├Ânnen oft nicht verstehen, warum sich Lehrkr├Ąfte in Ausbildung scheinbar unangek├╝ndigt zur├╝ckziehen und nehmen dies h├Ąufig pers├Ânlich. Nicht wenige Freundschaften, Beziehungen und Ehen zerbrechen, w├Ąhrend einer der Partner sein Referendariat f├╝r ein Lehramt absolviert. All diese Ph├Ąnomene fordern von Lehramtsreferendarinnen und Lehramtsreferendaren ein extremes Ma├č an Resilienz – eine F├Ąhigkeit, die diese im Lehrerberuf jedoch erst aufzubauen lernen m├╝ssen.

Lehrer|Sch├╝ler - Beratung f├╝r Schulleitungen | lehrerschueler.de

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Hier setzt unsere Kritik an: Die eben geschilderten Umst├Ąnde sind allen Beteiligten bekannt – also auch denjenigen, die das Referendariat anbieten und als zwingende berufliche Qualifikation einfordern. Der Vorbereitungsdienst wird offiziell gar als „zweiter Teil der Lehrerausbildung“ bezeichnet, was verdeutlicht, dass man ohne es absolviert zu haben in den Augen der Kultusministerien kein vollwertiger Lehrer bzw. keine vollwertige Lehrerin ist. Es fehlt dennoch an fl├Ąchendeckenden und niedrigschwelligen Unterst├╝tzungsangeboten f├╝r Referendarinnen und Referendare, professionellen Angeboten zur kollegialen Fallberatung w├Ąhrend und nach dem Referendariat und kompetenten Ansprechpartnern, wenn man als Referendarin oder Referendar an seine psychischen Grenzen kommt und vielleicht sogar Suizidgedanken hegt.

>>> Wie k├Ânnen Familie und Freunde Referendarinnen und Referendare im Vorbereitungsdienst f├╝r ein Lehramt unterst├╝tzen?

Lehrer|Sch├╝ler - Beratung f├╝r Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

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Nur die wenigsten Lehramtsreferendarinnen und Lehramtsreferendare ├╝berstehen diese schwierige Ausbildungszeit ohne externe Hilfe und Verst├Ąndnis durch nahestehende Personen – das ist zwar m├Âglich, aber nicht ratsam und in jedem Fall f├╝r alle Beteiligten eine gro├če Belastungsprobe. Bereits vor Antritt des Vorbereitungsdienstes sollten k├╝nftige Lehrkr├Ąfte in Ausbildung daher das pers├Ânliche Gespr├Ąch mit allen Menschen suchen, die ihnen wichtig sind. Sie sollten darauf hinweisen, dass die Zeit des Referendariats so gestaltet ist, dass sie die k├╝nftigen Lehrerinnen und Lehrer bewusst an ihre Grenzen f├╝hrt und sie psychisch und physisch extrem fordert. Sie sollten aktiv um Hilfe und Unterst├╝tzung bitten – durch eine motivierende Ansprache in schwierigen Zeiten, durch gemeinsame Unternehmungen in Phasen, in denen gerade keine Leistungserhebungen im Referendariat anstehen sowie durch ein grundlegendes Verst├Ąndnis daf├╝r, dass Referendarinnen und Referendare sich in der Ausbildungszeit ganz anders zeigen k├Ânnen als bisher gewohnt – d├╝nnh├Ąutiger, fahriger, gehetzter, unaufmerksamer, ich-zentrierter und leichter zu kr├Ąnkend (um die h├Ąufigsten Selbstbeschreibungen der Kundinnen und Kunden zu nennen, die wir bei Lehrer|Sch├╝ler w├Ąhrend des Referendariats f├╝r ein Lehramt begleiten).

Wenn Referendarinnen und Referendare bereits depressive Tendenzen aufweisen, ist dies ein ernstzunehmendes Warnzeichen, auf das Nahestehende von Beginn an bewusst achten sollten. Wenig hilfreich sind dann wohlgemeinte Ratschl├Ąge wie „Schalte mal einen Gang runter!“, „Du solltest dringend mehr Sport machen!“ oder „G├Ânn dir doch mal eine kleine Auszeit am Wochenende!“ Es gibt kaum etwas, das man sich w├Ąhrend des Referendariats so sehr w├╝nscht wie all das und das im Vorbereitungsdienst gleichzeitig so schwer umzusetzen ist. Sinnvoller sind da schon praktische Hilfestellungen: Kochen Sie als ├ťberraschung das Leibgericht der Referendarin bzw. des Referendars, gehen Sie f├╝r sie oder ihn einkaufen, schrauben Sie die eigenen Anspr├╝che an die gemeinsam verbrachte Zeit vor├╝bergehend zur├╝ck, ├╝ben Sie keinen Druck aus und zeigen Sie sich geduldig, auch wenn es schwerf├Ąllt! Nach Ende der Ausbildung wird die Junglehrerin bzw. der Junglehrer Ihnen ├╝beraus dankbar sein und sich sicher f├╝r Ihre Opfer revanchieren!

>>> Professionelle Unterst├╝tzung und Begleitung bei Depressionen und Suizidgedanken w├Ąhrend des Referendariats f├╝r eine Lehramt

Die wahrscheinlich sinnvollste Ma├čnahme, wenn Sie als Lehramtsreferendarin oder Lehramtsreferendar eine massive ├ťberforderung und Anzeichen einer Depression bei sich feststellen, ist eine Kombination aus psychologischer und fachlicher Beratung, wie Lehrer|Sch├╝ler sie anbietet. Es kann auch sinnvoll sein, sich kompetente medizinische Hilfe bei einem ausgebildeten Psychologen oder Arzt zu holen. In jedem Fall sollte man unserer Erfahrung nach aktiv etwas unternehmen, um die Negativspirale an Gedanken und Gef├╝hlen zu durchbrechen – „aussitzen“ bringt nichts und ist im Gegenteil gef├Ąhrlich, da es die Symptome und die Krankheit an sich noch verschlimmert, da ja die Grundbedingungen, die zu der depressiven Verstimmung gef├╝hrt haben, sich w├Ąhrend des Referendariats nicht verbessern, sondern meist noch verschlechtern und auf gar keinen Fall g├Ąnzlich verschwinden.

Wenn Sie uns eine (unverbindliche) Anfrage schreiben, teilen wir Ihnen einen einschl├Ągig qualifizierten Coach zu, der gemeinsam mit Ihnen ein zu Ihnen passendes individuelles Programm ausarbeitet und Sie bei der Umsetzung begleitet. Sie erhalten praktische Unterst├╝tzung w├Ąhrend des Referendariats in fachlichen und methodisch-didaktischen Belangen von ausgewiesenen Profis mit jahrzehntelanger Erfahrung im Schuldienst, in der Schulleitung und in der Ausbildung von Referendarinnen und Referendaren f├╝r ein Lehramt.

>>> Passende Beratungsangebote von Lehrer|Sch├╝ler


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