Belohnungen im Unterricht – Chancen und Risiken

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„Nicht geschimpft ist genug gelobt.“ – Wenn Lehrerinnen und Lehrer nach diesem Motto unterrichten, müssen sie sich nicht wundern, wenn sie früher oder später Probleme mit mangelnder Disziplin in ihren Klassen bekommen. Die Praxis zeigt nach den Erfahrungen von Lehrer|Schüler, dass ein nicht geringer Teil der Lehrkräfte das wahre Potenzial, das theoretisch hinter Belohnungen und Belohnungssystemen im Unterricht steckt, in der unterrichtlichen Realität nicht im Ansatz nutzt. In diesem Artikel wollen wir Ihnen aufzeigen, wie Sie als Lehrerin bzw. Lehrer durch den geschickten Umgang mit Motivationsförderung und Belohnungen viele Probleme im Klassenzimmer im Keim ersticken und für eine nachhaltig positive und lernförderliche Atmosphäre im Unterricht sorgen können.

>>> Ein Fallbeispiel aus der Beratungspraxis: Autoritätsverlust der Lehrkraft wegen des Ausbleibens von Belohnungen

In ihrem ersten Beratungsgespräch schilderte eine junge Referendarin für ein Lehramt unter Tränen folgende Situation aus ihrem Unterrichtsalltag. Sie hatte sich zuvor an Lehrer|Schüler gewandt, da sie ganz offensichtlich Hilfe und Begleitung im Referendariat und eine kollegiale Fallberatung für Lehrkräfte dringend gebrauchen konnte. Der folgende Auszug wird mit ihrem Einverständnis anonymisiert wiedergegeben.

Lehrer|Schüler - Beratung für Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de
Lehrer|Schüler – Beratung für Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

„Ich gebe mir die größte Mühe mit meiner Unterrichtsvorbereitung und versuche, die Klasse durch anregendes und schülernahes Material für mich und meinen Unterricht sowie das Thema so begeistern. Doch kaum drehe ich mich zur Tafel, wird es unangenehm laut. Egal, wie ich reagiere, ich kriege in dieser Klasse keinen Fuß mehr auf den Boden. Wenn ich dominant und autoritär auftrete, reagiert die schüchternere Hälfte der Klasse mit ängstlichem Schweigen. Die andere fängt an mich zu provozieren und herauszufordern. Schlage ich einen versöhnlichen und eher kumpelhaften Ton an, lobe ich die Schülerinnen und Schüler und betone ich ihre Fortschritte in den letzten Stunden, winken einige verächtlich ab oder murmeln irgendetwas Sarkastisches vor sich hin.“

In dieser Klasse hatte die betreffende Lehrerin in ihrer Ausbildung im Laufe der Zeit derart große Disziplinprobleme bekommen, dass sie nahezu vollständig die Kontrolle über die Klasse verloren und sich bereits einige Eltern für die Sprechstunde der Kollegin und der Schulleitung angemeldet hatten. Sie hingegen verstand die Welt nicht mehr, fühlte sich in ihrer Pädagogenehre gekränkt und spielte mit dem Gedanken daran, das Lehramtsreferendariat abzubrechen und aus dem Lehrerberuf auszusteigen.

Im Laufe der Beratung kristallisierten sich schnell einige ganz verschiedene Ansatzpunkte für ein Coaching heraus; einer davon – letztlich kein unwesentlicher – führte zu der Einsicht, dass sie nach der ersten enttäuschenden und unangekündigten Klassenarbeit unwillkürlich abrupt damit aufgehört hatte, die Schülerinnen und Schüler zu loben und zu belohnen. Sie hatte, so war es ihr von der Seminarlehrkraft geraten worden, auf den enttäuschenden Notendurchschnitt mit einer pädagogischen Standpauke reagiert, war dabei aber, wohl wegen ihrer Unerfahrenheit, in ihrer Wortwahl – eventuell aus persönlicher Verbitterung über den vermeintlich ausbleibenden Erfolg ihres Unterrichts – etwas zu harsch gewesen. Daraufhin nahm die Klasse die Kritik sehr persönlich und fühlte sich letztlich auf Grund der ausbleibenden Belohnungen, die die Lehrkraft bis zur Klassenarbeit jedoch regelmäßig eingesetzt hatte, persönlich attackiert und nahm den vermuteten Liebesentzug von Seiten der Lehrerin zum Anlass, sich von ihr auf menschlicher Ebene radikal zurückzuziehen. Es baute sich eine Negativspirale auf, die immer emotionaler und unsachlicher wurde, so dass am Ende ein geregelter Unterricht kaum noch möglich war.

>>> Auswirkungen von Belohnungen auf den Unterricht und das Lehrer-Schüler-Verhältnis

Obiges Beispiel zeigt recht eindrücklich den Stellenwert, den Belohnungen (und ihr Ausbleiben) auf die Atmosphäre im Klassenzimmer sowie letztlich auch den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler haben können. Eine auch nur kurze verbale Rückmeldung – „Heute bist du mir positiv aufgefallen“, „Schön, dass du heute unter Beweis stellen konntest, dass die schlechte Note in der letzten Arbeit nicht auf deinen Einsatz zurückzuführen war“, „Deinen heutigen Beitrag zum Thema fand ich klasse“ – kann wahre Wunder bewirken und die Motivation einzelner Klassenmitglieder enorm steigern. Doch Vorsicht: Loben Sie eine Schülerin ausgiebig für die Note 3, obwohl diese sich eigentlich im 1er-Bereich sieht, kann die edle pädagogische Tat gehörig nach hinten losgehen. Am Ende demotivieren Sie diese versehentlich und die Schülerin fühlt sich von Ihnen womöglich verkannt und nicht wertgeschätzt.

Lehrer|Schüler - Beratung für Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de
Lehrer|Schüler – Beratung für Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Wie sollten Belohnungen nach der Ansicht von Lehrer|Schüler nun jedoch aussehen, damit diese von Erfolg gekrönt sind und das Lehrer-Schüler-Verhältnis davon nachhaltig profitiert? Besonders „allergisch“ reagieren Schülerinnen und Schüler nach unserer Erfahrung darauf, wenn sie das Gefühl haben, nicht ernstgenommen zu werden. Eine nicht alters- oder leistungsgerechte Art der Belohnung – ein zu überschwängliches Lob ebenso wie eine alberne Art der Anerkennung – kann das Gegenteil bewirken und Ihnen als Lehrkraft den Hass der Klasse einbringen. Ist das erst einmal passiert, ist es schwer rückgängig zu machen und als Lehrerin oder Lehrer wieder einen pädagogischen Fuß auf den unterrichtlichen Boden zu bekommen. Wichtiger als ohnehin schon im Lehrerberuf ist es, dass Sie in solchen Situationen, in denen Sie eigentlich eine Belohung aussprechen wollen, authentisch und ungekünstelt auftreten – ein angemessenes Lehrerverhalten und eine glaubwürdige Lehrerpersönlichkeit sind das A und O, wenn Sie pädagogisch etwas erreichen möchten. Zeigen Sie den Kindern und Jugendlichen in der Schule, dass Sie sie ernstnehmen und sich mit ihnen intensiv auseinandersetzen, indem Sie ein passgenaues Lob aussprechen, das in Intensität und Häufigkeit „wohldosiert“ ist!

>>> Was sind die besten Belohnungen im Unterricht für die Schulklasse und einzelne Schülerinnen und Schüler?

In dem Blogartikel „Besser unterrichten mit Belohnungssystemen“ hat unser Kooperationspartner Betzold bereits umfassend erläutert, wie man als Lehrkraft ein ganzes Instrumentarium an Belohnungsinstrumenten dazu nutzen kann, die Unterrichtsatmosphäre in der Klasse positiv zu gestalten und dadurch den Schulunterricht nachhaltig zu verbessern. Im Kern weist unsere Gastautorin Bettina Kroker darin darauf hin, dass zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation unterschieden werden kann – zwei Arten, wie Lob und Tadel auf Schülerinnen und Schüler wirken, die sich gegenseitig nicht ausschließen, sondern im Idealfall organisch ergänzen. Die Kollegin geht anschließend noch auf Möglichkeiten für Belohnungen für eine ganze Schulklasse und einzelne Klassenmitglieder ein, bevor sie materielle und nicht-materielle Belohnungsideen voneinander abgrenzt.

Lehrer|Schüler - Beratung für Eltern von Schülern | lehrerschueler.de
Lehrer|Schüler – Beratung für Eltern von Schülern | lehrerschueler.de

Was sind nun nach Ansicht von Lehrer|Schüler jedoch die wichtigsten Belohnungssysteme in der Schule? Hier die ernüchternde Antwort: Das eine perfekte Mittel, um Schülerinnen und Schüler für gute Leistungen und perfektes Verhalten angemessen zu belohnen, gibt es nicht. Es ist jedoch wichtig, dass Sie als Lehrkraft ein breites Repertoire an Möglichkeiten haben, wie Sie Ihrer Klasse gegenüber schnell und glaubwürdig Ihren Respekt aussprechen können. Wichtiger als die Wahl des geeigneten Belohnungssystems an sich ist, dass Sie durchblicken lassen, dass Sie die Klasse so gut kennen, dass Sie sich so intensiv mit ihr auseinandergesetzt haben, dass Sie die individuell am besten passende Lösung gefunden haben. Schülerinnen und Schüler schätzen es sehr, wenn sie als Individuen wahrgenommen werden und „ihre“ Lehrkraft sich auf persönlicher Ebene um sie bemüht.

Wenn Sie das tun, wirken auch einfache, aber ehrlich gemeinte Belohnungen – warme Worte, ein freundliches Lächeln, ein wohlpointierter Witz, etwas weniger Druck als sonst im Unterricht zur rechten Zeit. Sind Sie und „Ihre“ Klasse in völlig unterschiedlichen Welten unterwegs, können Sie sich als Lehrkraft belohnungstechnisch verausgaben wie Sie wollen – Sie werden auf Granit beißen, wenn Sie Ihre Chance erst einmal verspielt haben, wie die Kollegin aus dem anfangs vorgestellten Fallbeispiel. Daher: Eine authentische Lehrerpersönlichkeit und ein freundlich-symphatisches Auftreten sowie ein den Kindern und Jugendlichen zugewandtes Wesen sind oftmals die größte Belohnung für Ihre Klasse!

>>> Passende Beratungsangebote von Lehrer|Schüler


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Eine Antwort

  1. […] Unterrichtsphasen, eine sinnvolle Sitzordnung in der Klasse oder Maßnahmen zur Bestrafung oder zur Belohnung von Schülerinnen und Schülern kann man trefflich diskutieren – was Sie als Lehrerin oder Lehrer mit […]

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