ElterngesprĂ€che als Lehrer richtig fĂŒhren – professioneller Umgang mit „schwierigen“ Eltern als Lehrkraft

GeschÀtzte Lesedauer: 6 Minuten

ElterngesprĂ€che zu fĂŒhren gehört zu den originĂ€ren Aufgaben einer jeden Lehrkraft. Dennoch ist diese Lehrerpflicht vergleichsweise unbeliebt unter PĂ€dagoginnen und PĂ€dagogen, weil sie unter ElterngesprĂ€chen hĂ€ufig eine  unangenehme Konfliktsituation verstehen. Doch wie können Lehrerinnen und Lehrer richtig reagieren, wenn sie es tatsĂ€chlich mit „schwierigen“ Eltern zu tun bekommen? Lehrer|SchĂŒler stellt Ihnen in diesem Artikel einige Tipps vor, wie Sie brenzlige Situationen in der Elternberatung als Lehrkraft gekonnt umschiffen bzw. das Beste daraus machen, wenn sich ein StreitgesprĂ€ch mit Erziehungsberechtigten nicht mehr vermeiden lĂ€sst.

>>> Elternberatung fĂŒr LehrkrĂ€fte – ein weites Spektrum möglicher Beratungssituationen von Kooperation bis Aggression

Eines vorneweg: So individuell wie Menschen allgemein sind, so unterschiedlich sind auch SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, LehrkrĂ€fte und Eltern. Pauschalurteile verbieten sich also, was auch bedeutet, dass es kein Patentrezept geben kann, wenn eine Beratungssituation in der Schule doch einmal brenzlig werden sollte. Es ist zu betonen, dass die ĂŒberwiegende Mehrzahl der Eltern der Schule und ihren Bediensteten gegenĂŒber zumindest neutral, hĂ€ufig sogar gewogen und zugewandt gegenĂŒbersteht. Haben Sie es mit derartigen Erziehungsberechtigten zu tun, brauchen Sie als Lehrerin oder Lehrer natĂŒrlich auch keinen speziellen Rat, sondern können ganz natĂŒrlich auftreten und mit Ihrer Lehrerpersönlichkeit punkten. In aller Regel sollten ElterngesprĂ€che dann „von selbst laufen“ und werden damit zu einem unspektakulĂ€ren Bestandteil des gewöhnlichen Lehreralltags.

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Eltern von SchĂŒlern | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Eltern von SchĂŒlern | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler befasst sich heute jedoch mit einer Extremsituation in der pĂ€dagogischen Beratung, vor der sich viele LehrkrĂ€fte fĂŒrchten und die auch wirklich gelegentlich in der schulischen Elternarbeit vorkommt: Wenn Sie als Lehrerin oder Lehrer konfrontiert sind mit uneinsichtigen, undiplomatischen oder gar aggressiven Eltern, ist guter Rat teuer. Die Erfahrung, dass man als PĂ€dagogin oder PĂ€dagoge einen regelrechten „Kampf“ ausfechten muss, der von Seiten der SchĂŒlereltern eher befeuert als entschĂ€rft wird, will niemand gerne machen und kann nicht nur den Lehreralltag negativ prĂ€gen, sie kann sogar das gesamte LebensgefĂŒhl betroffener LehrkrĂ€fte nachhaltig beeinflussen.

>>> PrÀvention statt Reaktion: Wie man als Lehrkraft unangenehme ElterngesprÀche vermeidet

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Das beste Mittel, um als Lehrerin oder Lehrer Konflikte mit Eltern sowie SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern zu vermeiden, ist eine gewisse Charmeoffensive von Anfang an. Machen Sie den ersten Schritt auf die Eltern zu und zeigen Sie sich von Beginn an, bevor Konflikte ĂŒberhaupt entstehen können, als freundlicher und kommunikativer Mensch, der immer fĂŒr ein GesprĂ€ch zu haben ist! Betonen Sie schon bei der ersten Klassenelternversammlung, dass Sie als professionelle Lehrkraft auch außerhalb der Sprechstunde (das wird ohnehin eher selten in Anspruch genommen, das reine Angebot wirkt oft jedoch schon Wunder) und jederzeit per dienstlicher E-Mail zu erreichen sind.

Der Kniff mit der E-Mail hat einen entscheidenden Vorteil: Sie entscheiden selbst, wann Sie antworten und können die Anfrage erst einmal einen Tag aussitzen, so dass bei Ihrem GegenĂŒber die erste EmotionalitĂ€t verraucht ist und Sie sich in Ruhe eine inhaltlich zutreffende und im richtigen Ton verfasste Antwort ĂŒberlegen können. Bieten Sie telefonischen Kontakt an, mĂŒssen Sie sich gegebenenfalls unmittelbar – zu Recht oder zu Unrecht – aufgebrachten und wĂŒtenden Erziehungsberechtigten stellen. Statt mit einer Diskussion auf Sachebene mĂŒssen Sie dann vorrangig sozialpĂ€dagogisch agieren und als Deeskalator wirken. Das kostet Zeit und vor allem Nerven und bringt in der Sache niemanden wirklich weiter, denn Eltern mĂŒssen Sie als Lehrkraft ja nicht mehr erziehen.

Lehrer|SchĂŒler empfiehlt: Gehen Sie in Sachen ElterngesprĂ€che zunĂ€chst immer vom unspektakulĂ€ren Normalfall einer sachlichen Beratungssituation aus, seien Sie aber stets auf den Nerven aufreibenden Extremfall vorbereitet! Sie können einiges dafĂŒr tun, dass Sie, wenn Sie es wirklich mit Eltern zu tun haben sollten, die uneinsichtig sind und Sie als Lehrerin oder Lehrer „hintenrum“ bei der Schulleitung anschwĂ€rzen anstatt mit Ihnen direkt zu reden, die Argumente und Sachlage auf Ihrer Seite haben. Sie sollten in den guten Zeiten fĂŒr etwaige schlechte Zeiten vorsorgen.

Das können Sie tun, indem Sie sich frĂŒhzeitig von allen SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern Notizen in Sachen grundsĂ€tzliche Leistungsbereitschaft, tatsĂ€chlich gezeigte Leistungen, Verhalten im Unterricht und Erledigung von Hausaufgaben machen. Ganz nebenbei erhalten Sie so auch noch notenmĂ€ĂŸig verwertbare UnterrichtsbeitrĂ€ge. Und: Wenn Sie sich in einer unruhigen Klasse nach einer Unterrichtsstörung und dem ĂŒblichen „scharfen Blick“ am Lehrerpult mysteriöse Notizen machen, steigt Ihre AutoritĂ€t in der Klasse von ganz alleine. Ist dann noch klar, dass diese Mitschriften die Grundlage fĂŒr ElterngesprĂ€che sind, haben Sie schnell „Ruhe im Karton“.

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Achten Sie außerdem darauf, dass Sie all Ihre Pflichten als Lehrkraft zuverlĂ€ssig erledigen und zeigen Sie das auch deutlich in der Klasse: Bieten Sie reichlich zusĂ€tzliche Übungsmaterialien an – und monieren Sie in „schwierigen“ Klassen eine Woche spĂ€ter, dass bislang kaum etwas abgegeben wurde. Geben Sie etliche Notenchancen zur Verbesserung der Zensuren – und dokumentieren Sie den Leistungsstand der Klasse, den „schwierigerer“ SchĂŒlerinnen und SchĂŒler natĂŒrlich zuerst, in Form von Noten auf der Basis Ihrer Mitschriften (mit Datum und konkreten Unterrichtsinhalten versehen)! Das macht im Ernstfall gleichermaßen bei der Schulleitung und bei renitenten Eltern Eindruck – und bringt Sie in eine gĂŒnstige Ausgangslage bei einem eventuellen ElterngesprĂ€ch.

>>> Wenn es hart auf hart kommt – kompetentes Lehrerverhalten im KonfliktgesprĂ€ch mit Eltern

Die meisten brenzligen Situationen zwischen Eltern und LehrkrĂ€ften können Sie durch professionelles Handeln im Vorfeld entscheidend entschĂ€rfen. Doch auch in dem Fall, dass Eltern „mit dem Kopf durch die Wand“ wollen und Sie  in ein BeratungsgesprĂ€ch zwingen, haben Sie als Lehrerin oder Lehrer genug Handlungsoptionen. Lehrer|SchĂŒler rĂ€t zu einem klassischen Trick: Versetzen Sie sich in die Rolle Ihres GegenĂŒbers – was will der Elternteil eigentlich gerade? Geht es darum, einfach nur Dampf abzulassen? – Lassen Sie die Eltern doch losledern und blenden Sie sich kurz aus, anstatt auf Nichtigkeiten einzugehen. Ihr Ziel muss es nur sein, die Sachebene zu erreichen. Bei angestauter EmotionalitĂ€t Ihres GegenĂŒbers wĂ€re das ohnehin noch nicht möglich, also geben Sie den Prellbock und nehmen Sie unsachliche Kritik nicht persönlich! Die besten Eltern-Lehrer-GesprĂ€che sind doch ohnehin die, die aus Monologen der Erziehungsberechtigten bestehen. Fragen Sie nach zehn Minuten des Zuhörens, ohne weiter darauf einzugehen: „Frau x / Herr y, warum genau sind Sie heute eigentlich hier? Was wĂŒnschen Sie sich von unserem GesprĂ€ch?“ Somit zwingen Sie das aufgebrachte GegenĂŒber, wieder auf die Sachebene zurĂŒckzukehren – und Sie haben Bedenkzeit fĂŒr eine gute Antwort gewonnen.

Tritt der GesprĂ€chspartner sachlich auf, kritisiert Sie aber harsch, liefern Sie – ebenso sachlich – Ihre Gegenargumente, die Sie sich prĂ€ventiv erarbeitet haben. Eine Liste mit genauen Aufzeichnungen, die Sie „aus dem Ärmel schĂŒtteln“, macht Eindruck, denn sie verdeutlicht ohne weitere Worte, wie intensiv Sie sich mit Ihren SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern auseinandersetzen und unterstreicht die ObjektivitĂ€t Ihrer AusfĂŒhrungen. Wichtig ist natĂŒrlich, dass Sie sich bei der „Beweissicherung“ stets an die bekannten GĂŒtekriterien halten, was fĂŒr professionelles Lehrerhandeln ohnehin unerlĂ€sslich ist.

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Schulleitungen | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Schulleitungen | lehrerschueler.de

Viele LehrkrĂ€fte machen taktische Fehler, die sie in ElterngesprĂ€chen unnötig  in die Enge treiben. Beispiele gefĂ€llig? Nehmen Sie sich nicht unendlich Zeit, um jede Kleinigkeit in epischer Breite auszudiskutieren – das bringt ohnehin nichts! Bleiben Sie bei den großen Leitlinien und verheddern Sie sich nicht in Details! Sie mĂŒssen beispielsweise erteilte Schulstrafen nicht bis ins Letzte diskutieren – mit Eltern diskutieren Sie ohnehin nicht, auch wenn diese das gerne hĂ€tten, maximal erlĂ€utern Sie noch einmal kurz. Nennen Sie stattdessen die Regel, gegen die verstoßen wurde, und die Konsequenz, die daraus folgt! Die Rechtsgrundlage fĂŒr Ihre Entscheidung – Erziehungs- und Unterrichtsgesetz, Schulordnung, etc. – sollten Sie natĂŒrlich parat haben. Fassen Sie sich kurz und setzen Sie das GesprĂ€ch von vorneherein auf maximal 15 Minuten an – niemand zwingt Sie, Ihre komplette 45-Minuten-Sprechstunde fĂŒr ein einziges GesprĂ€ch freizuhalten und wenn man es wirklich will, kann man das Kernproblem auch in wenigen Minuten schildern und gemeinsam eine Lösung finden! Das ist Ihr einziges Ziel, keine allumfassende Abhandlung ĂŒber den GesprĂ€chsanlass und alles, was die Eltern schon immer einmal loswerden wollten. Gerne bieten Sie an, das GesprĂ€ch in der kommenden Woche fortzusetzen – das wird ohnehin nicht passieren und falls doch, hat sich die Situation bis dahin sicherlich schon deutlich entschĂ€rft.

Aus unerfindlichen GrĂŒnden halten sich viele Lehrerinnen und Lehrer fĂŒr unerbittliche EinzelkĂ€mpfer – „Braveheart“ werden Sie aber in Ihrem Lehrerleben nicht mehr werden. Also: Organisieren Sie sich UnterstĂŒtzung! Holen Sie doch eine Kollegin oder einen Kollegen Ihres Vertrauens als Zeugin oder Zeuge zum GesprĂ€ch dazu – bei hartnĂ€ckigen oder kniffligen FĂ€llen durchaus auch die Schulleitung! Das schafft das GefĂŒhl von Sicherheit fĂŒr Sie und stĂ€rkt allein schon quantitativ Ihre Position am „Verhandlungstisch“. Auch haben Sie im  Anschluss die Möglichkeit zur kollegialen Fallberatung und können aus Ihrem Auftreten durch eine objektive Drittmeinung eines anderen Menschen, der noch dazu vom Fach ist, fĂŒr kĂŒnftige ProblemgesprĂ€che zwischen LehrkrĂ€ften und Eltern lernen.

>>> Passende Beratungsangebote von Lehrer|SchĂŒler


Kontaktieren Sie uns jederzeit gerne!


#lehrerschueler ||| #schueler #eltern #lehrer #referendare #schulleitungen ||| #schule #unterricht #lehrerjob #lehrerberuf #referendariat #lehramt #lehrergesundheit #elterngespraeche #konfliktgespraeche #elternarbeit #elternberatung #lehrerpersoenlichkeit #lehrerhandeln #resilienz

#">ACACAC;">
💡💡💡 | ElterngesprĂ€che als Lehrkraft richtig fĂŒhren | lehrerschueler.de
Titel
💡💡💡 | ElterngesprĂ€che als Lehrkraft richtig fĂŒhren | lehrerschueler.de
Beschreibung
Blog von Lehrer|SchĂŒler: ElterngesprĂ€che als Lehrer richtig fĂŒhren - professioneller Umgang mit Eltern als Lehrkraft | lehrerschueler.de âœłïž
Verfasser
Herausgeber
Lehrer|SchĂŒler
Herausgeber-Logo

Kommentarfunktion ist ausgeschaltet.