Suizidgedanken im Referendariat – ein Tabuthema?!

Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Sind Sie kurz zusammengezuckt, als Sie den Titel dieses Beitrags gelesen haben? Kein Wunder, schließlich wird das Thema „Suizidgedanken im Referendariat“ häufig stark tabuisiert; während der Lehrerausbildung, aber auch grundsätzlich, von allen betroffenen Seiten. Dass es allerdings durchaus seine Berechtigung hat und eine Bekämpfung seiner Ursachen Not tut, ist ein traurige Tatsache, die insgesamt noch immer viel zu wenig dazu geführt hat, dass sich Dinge nachhaltig (oder überhaupt) ändern. Dieser Artikel ist ein Plädoyer von Lehrer|Schüler zu einer grundlegenden Reform der Lehrerausbildung und ein bescheidener Versuch, Betroffenen eine helfende Hand zu reichen.

>>> Wie kommt es zu Selbstmordgedanken im Referendariat?

Wir sind keine Psychologen, Psychiater oder Psychotherapeuten und wollen es auch nicht sein. Betrachten Sie daher die folgenden Zeilen als eine Reflexion von Lehrerkollegen auf Stunden um Stunden intensiver und sehr persönlicher Beratungsgespräche. Unserer Erfahrung nach kommen Selbstmordgedanken nicht „über Nacht“, aber häufig in der Nacht, und auch wenn der entscheidende Schritt von der Planung zur Umsetzung ihres „Plans“ von vielen verzweifelten Lehramtsanwärtern letztlich nie gegangen wird, sollte es nicht beim Aufatmen ob dieser Erkenntnis bleiben. Suizid ist also die große Unbekannte, das Fehlen des Lichts am Ende eines meist ziemlich dunklen Tunnels.

Lehrer|Schüler - Beratung für Lehrer und Referendare | lehrerschueler.de

Lehrer|Schüler – Beratung für Lehrer und Referendare | lehrerschueler.de

>>> Katalysatoren für Suizidgedanken bei Referendaren I: Gezielte Überforderung in der Lehrerausbildung

„Das Referendariat“ allein ist meist nicht die vermeintlich einfach zu benennende alleinige Ursache einer Depression, an deren Ende aber durchaus die Selbsttötung stehen kann. Häufig ist die Lehrerausbildung aber der „letzte Tropfen“, der das Fass zum Überlaufen bringt. Auslösender Faktor ist dabei häufig eine massive und von Seiten der Ausbilder oft auch bewusst herbeigeführte Überforderung der ihnen anvertrauten Schützlinge. Aus deren Sicht klingt es oft hämisch, wenn Seminarlehrer sie dazu anhalten, „die Ausbildungszeit als Chance zum persönlichen Wachstum zu begreifen“ und „an ihre physischen und psychischen Grenzen und darüber hinaus“ zu gehen. Das ist nicht ganz einfach, wenn nach vielen Jahren des Studiums die „Sackgasse Lehrerausbildung“ droht. Es braucht daher einen starken Partner wie Lehrer|Schüler, der einem angehenden Lehrer Hilfe im Referendariat leistet.

>>> Katalysatoren für Suizidgedanken bei Referendaren II: Typische Wesensmerkmale von Lehrern

Häufig werden besonders sozial eingestellte und überdurchschnittlich sensible Menschen Lehrkräfte, da diese Wesenzüge durchaus wertvoll im späteren Lehrerberuf sein können. Sie sind aber nicht selten Fluch und Segen zugleich. Hier tritt eine besondere Eigenheit des Referendariats für ein Lehramt zu Tage: Bei der Überprüfung, ob ein Kandidat für die Verbeamtung als Lehrer und die Ausübung des Lehrerberufs geeignet ist, wird selten aus Sicht des Lehrers gedacht, sondern meist nur aus der Sicht des Dienstherrn oder der Schüler. Was den Lehrer selbst angeht, so wird diesem die Verantwortung für seine eigene Gesundheit und der Erwerb von ausreichend Erfahrung, um mit den Widrigkeiten des Lehrerberufs dauerhaft umgehen zu können, meist selbst überlassen. Damit ist der Weg in eine depressive Verstimmung und den Burnout geebnet, wenn nicht mit einem Coaching zur Lehrergesundheit und Work-Life-Balance oder beispielsweise durch eine kollegiale Fallberatung für Lehrer vorgebaut wird.

>>> Katalysatoren für Suizidgedanken bei Referendaren III: Konkurrenzsituation und wenig kollegialer Austausch

Meist nur unterschwellig wird eine wesentliche Tatsache thematisiert und somit häufig unterschätzt: Was später gang und gäbe ist, lässt sich im Referendariat nur schwierig umsetzen, nämlich der intensive Austausch mit Kollegen in derselben Situation. Spätestens in den letzten Ausbildungsabschnitten gehen Referendare stets mit dem Bewusstsein zur Arbeit, dass die anderen angehende Lehrkräfte im Endeffekt Konkurrenten um dieselben, rar gesäten Stellen sind. Wer hat unter solchen Voraussetzungen schon ein gesteigertes Interesse daran, sich selbst und seine Schwächen zu offenbaren?

Und dann wäre es auch nicht unbedingt anzuraten, dass Referendare in ihrer spärlichen Freizeit wieder nur über Schulthemen reden und somit den dringend benötigten Ausgleich zu Gunsten des Philosophierens über Probleme opfern, die sie erstens am Ende sowie auf eigene Faust lösen müssen und die sich zweitens nach der Ausbildung, am Ende dieser künstlich herbeigeführten „Zwischenphase“ (noch kein Lehrer, aber kein Student mehr), möglicherweise ohnehin nicht mehr stellen, da man mit Erfahrung und dem Wissen, eine Klasse jahrelang zu betreuen, ohnehin ein ganz anderes Standing hat. Das Referendariat ist also eine hausgemachte „Falle“ für die Erhaltung der Lehrergesundheit, denn eine echte kollegiale Fallberatung, die Not täte, findet meist nicht statt.

>>> Was tun bei Selbstmordgedanken als Referendar?

Wenn Sie die in diesem Artikel beschriebenen Gedankengänge nur zu gut kennen und an sich derart depressive Tendenzen feststellen, dass Sie auch einen Suizid nicht mehr ausschließen können, ist es wichtig, dieses Thema offensiv und professionell anzugehen.

Offensiv, weil sich in der Regel eine Negativspirale entwickelt, der Sie nicht mehr so einfach entkommen werden. Um diese aufhalten zu können, müssen Sie aktiv handeln und einen Schritt nach dem anderen gehen.

Professionell, weil Sie dafür fachlich kompetente Hilfe benötigen. Ihre Familie und Freunde können und sollten Sie damit nicht über Gebühr belästigen, denn außer Mitgefühl und gut gemeinten Ratschlägen können diese meist wenig bieten, das Ihnen mehr als nur ein paar Stunden oder eine schwierige Nacht lang weiterhilft. Damit Sie wieder eigene Schritte machen können, brauchen Sie jemanden, der Ihnen die ersten in die richtige Richtung aufzeigt. Hilfe im Referendariat könnte hierbei ein erster sinnvoller Ansatz sein.

>>> Disclaimer: Wenn Sie sich persönlich angesprochen fühlen…

Da es sich hierbei um ein hochsensibles Thema handelt, machen Sie sich bitte unbedingt bewusst, dass wir in diesem Blog-Artikel unsere individuelle und nicht-medizinische Sichtweise beschreiben! Sollten Sie selbst zu Selbstmordgedanken neigen, zum Beispiel als Symptom einer tiefergehenden Depression, holen Sie sich bitte umgehend einschlägige medizinische Hilfe!

Unser Beratungsangebot kann insofern sinnvoll sein, als dass Sie mögliche Ursachen einer Überforderung, die durch die spezielle Drucksituation des Referendariats entstehen, mit unserer Hilfe gezielt angehen können. Eine begleitende medizinische Behandlung können und wollen wir nicht ersetzen.

>>> Passende Beratungsangebote von Lehrer|Schüler


Kontaktieren Sie uns jederzeit gerne!


#lehrerschueler #lehrer #lehrkraefte #referendar #referendare #referendariat #depression #suizid #selbstmord #psyche

#">ACACAC;">
Suizidgedanken im Referendariat - ein Tabuthema?!
Titel
Suizidgedanken im Referendariat - ein Tabuthema?!
Beschreibung
Blog von Lehrer|Schüler: Suizidgedanken im Referendariat - ein Tabuthema?! Ursachen, Katalysatoren und Auswege für Lehrer. | lehrerschueler.de
Verfasser
Herausgeber
Lehrer|Schüler
Herausgeber-Logo

Kommentarfunktion ist ausgeschaltet.