Berufliche Schulen – das Stiefkind der Lehrerausbildung. Oder: Muss es unbedingt das Gymnasium sein?

Gesch├Ątzte Lesedauer: 5 Minuten

Ein g├Ąngiges Vorurteil ├╝ber Lehrerinnen und Lehrer besagt, dass viele von ihnen wenig bereit seien, sich auf Neues einzulassen, was sich schon in der Berufswahl zeige. Schlie├člich w├Ąhlten Lehrkr├Ąfte ein berufliches Umfeld, das ihnen schon seit dem sechsten Lebensjahr bestens vertraut sei: Die Schule. Das ist bezogen auf die Berufswahl von Lehrerinnen und Lehrern nach dem Daf├╝rhalten von Lehrer|Sch├╝ler nat├╝rlich wirklich nur ein Vorurteil – allerdings eines mit einem durchaus wahren Kern.

>>> Wer vom Gymnasium kommt, will auch wieder dorthin

Lehrer|Sch├╝ler - Beratung f├╝r Lehramtsstudenten | lehrerschueler.de

Lehrer|Sch├╝ler – Beratung f├╝r Lehramtsstudenten | lehrerschueler.de

Nun ist die Schulart, die der weit ├╝berwiegende Teil der Lehrkr├Ąfte besucht hat, nat├╝rlich das Gymnasium ÔÇô klar, schlie├člich ist die allgemeine Hochschulreife die Voraussetzung f├╝r so gut wie jedes Lehramtsstudium. Lassen wir ÔÇ×abweichendeÔÇť Bildungsbiografien an dieser Stelle einmal beiseite. Zahlenm├Ą├čig d├╝rften Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten, die ├╝ber den Weg der beruflichen Schulen (FOS/BOS oder deren Pendants) oder ├╝ber das ÔÇ×Meister-AbiÔÇť (also die Hochschulzugangsberechtigung aufgrund eines Meisterbriefs) kommen, keine allzu gro├če Rolle spielen, wie unsere Beratungen f├╝r angehende Lehrerinnen und Lehrer bei┬áLehrer|Sch├╝ler auch immer wieder zeigen. Der L├Âwenanteil der Lehramtsstudierenden hat also ganz klassisch an einem Gymnasium das Abitur erworben und ist dann (allzu oft ohne vermeintlich l├Ąstige Umwege jenseits des Tellerrandes) an der Universit├Ąt gelandet. Und mit welchem Ziel? Richtig, mit dem Berufswunsch ÔÇ×GymnasiallehrerinÔÇť oder „Gymnasiallehrer“. Das gilt f├╝r fast die H├Ąlfte aller Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten, nachzulesen zum Beispiel in einer einschl├Ągigen Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Folgen dieser Entscheidung?

├ťberf├╝llte Seminare an den Unis und maue Berufsaussichten f├╝r die angehenden Gymnasiallehrkr├Ąfte. Selbst mit der Kombination Mathematik/Physik ÔÇö lange Jahre praktisch mit einer Einstellungsgarantie versehen ÔÇö ist es nicht mehr selbstverst├Ąndlich, eine Stelle am Gymnasium zu ergattern; ganz zu schweigen von den ber├╝chtigten „Todeskombis“ wie Deutsch/Geschichte oder Deutsch/Erdkunde! Die Alternativen erscheinen den Studierenden oft wenig verlockend, wie unsere Studienberatung f├╝r Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten gezeigt hat.

In Bundesl├Ąndern, in denen man von vornherein nicht f├╝r das Lehramt an Gymnasien, sondern f├╝r „Gymnasium/Gesamtschule“ ausgebildet wird, ist man nicht ganz so festgelegt. Dennoch k├Ąme f├╝r die meisten Lehramtskandidatinnen und Lehramtskandidaten allenfalls noch die Realschule als berufliche Alternative in Frage. Die ungeliebte Mittelschule wird ├╝blicherweise nur von denen gew├Ąhlt, die sich den Umgang mit ÔÇ×schwierigenÔÇť Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern zutrauen. Das Gleiche gilt f├╝r das F├Ârderschullehramt, das zudem noch (trotz seit Jahren extrem hohen Bedarfs) mit einem geradezu absurd hohen NC belegt ist. F├╝r Mittel- und Realschule gilt au├čerdem, dass die Aufstiegsm├Âglichkeiten (auch hinsichtlich der Gehaltsstufe) deutlich beschr├Ąnkt sind.

>>> Berufliche Schulen als Alternative zu einer Lehrerstelle am Gymnasium

Bleibt noch die Berufsschule. ÔÇ×Berufsschule? Wo die Azubis hingehen? Was soll ich denn da mit meinem Deutsch oder Englisch? Und brauche ich da nicht selbst erstmal eine Ausbildung?ÔÇť wird sich nun manche Lehrkraft fragen. Bedingt sind diese Fragen nach Ansicht von Lehrer|Sch├╝ler berechtigt ÔÇö was aber gern ├╝bersehen wird, sind zwei Punkte: Zum einen werden auch an der ÔÇ×klassischenÔÇť Berufsschule allgemeinbildende F├Ącher wie Deutsch, Mathematik oder Englisch gelehrt, zum anderen umfasst das Spektrum der beruflichen Schulen ÔÇö wie der korrekte Ausdruck lautet ÔÇö eine Vielzahl von Schularten. Hier finden sich auch ÔÇö je nach Bundesland ÔÇö das berufliche Gymnasium, die FOS/BOS und etliche andere Bildungsg├Ąnge, von denen einige auch zum allgemeinen Abitur f├╝hren. Der Unterricht dort ist also durchaus anspruchsvoll und von hohem Niveau. Nat├╝rlich haben auch die beruflichen Schulen ihre Herausforderungen. Wer im BVJ, dem Berufsvorbereitungsjahr, landet, den erwartet eine Sch├╝lerklientel, der er am Gymnasium vorerst nicht begegnen wird. Darauf muss man sich nat├╝rlich einlassen k├Ânnen.

Lehrer|Sch├╝ler - Beratung f├╝r Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Lehrer|Sch├╝ler – Beratung f├╝r Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Dennoch zeigt sich immer wieder: Wer an einer beruflichen Schule unterkommt (auch viele Gymnasiallehrkr├Ąfte verschl├Ągt es zun├Ąchst unfreiwillig dorthin), der will ÔÇô hat er erst einmal seinen Kulturschock ├╝berwunden ÔÇô nicht mehr weg. Daf├╝r gibt es gute Gr├╝nde. So berichten zum Beispiel viele, dass die Atmosph├Ąre im Kollegium an beruflichen Schulen viel lockerer sei als an den meisten Gymnasien. Dazu tr├Ągt sicher die sehr heterogene Herkunft der Lehrerschaft bei, wo sich Handwerker mit Geistes- und Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern mischen. Auch der Korrekturaufwand ist in den meisten Bildungsg├Ąngen wesentlich ├╝berschaubarer als am Gymnasium. Davon d├╝rften vor allem die Vertreter geisteswissenschaftlicher F├Ącher profitieren. Au├čerdem ist an beruflichen Schulen der Zeitaufwand f├╝r au├čerunterrichtliche T├Ątigkeiten (Klassenfahrten, „Tage der offenen T├╝r“, Musik- und Theaterauff├╝hrungen und vieles mehr) wesentlich geringer. Diese rauben den Lehrkr├Ąften oft die Abende und sind dementsprechend unbeliebt. Wenn man an einem Gymnasium landet, das gro├čen Wert auf seine Au├čenwirkung legt, k├Ânnen sich solche „Events“ durchaus h├Ąufen.

>>> Welches Gehalt beziehen Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer?

Bleibt noch die Frage nach Gehalt und Aufstiegschancen, die an Mittel- und Realschule ja eher bescheiden ausfallen: Eine Mittelschullehrerin oder ein Mittelschullehrer steigt mit der Besoldungsstufe A12 ein (wie viel das konkret ist, kann man zum Beispiel in diesem Gehaltsrechner f├╝r den ├ľffentlichen Dienst nachlesen) und kann allenfalls noch Konrektorin / Konrektor oder Rektorin / Rektor werden. Damit erreicht sie oder er maximal A14. Mit viel Gl├╝ck und noch mehr Engagement wird sie oder er Schulr├Ątin / Schulrat und bekommt dann A15. F├╝r die Realschule gilt in den meisten Bundesl├Ąndern dasselbe. Das ist an den beruflichen Schulen anders: Sie z├Ąhlen zum Bereich der Sekundarstufe II, weswegen Gehaltseinstufung und Bef├Ârderungs├Ąmter denen der Gymnasiallehrkraft entsprechen. Auch eine Lehrerin oder ein Lehrer an einer beruflichen Schule steigt also als Studienr├Ątin / Studienrat mit der Besoldungsstufe A13 ein und kann dann bis zur Oberstudiendirektorin / Oberstudiendirektor (A16) bef├Ârdert werden. Das entspricht der Besoldung einer Schulleitung am Gymnasium.

Lehrer|Sch├╝ler - Beratung f├╝r Schulleitungen | lehrerschueler.de

Lehrer|Sch├╝ler – Beratung f├╝r Schulleitungen | lehrerschueler.de

F├╝r das Stundendeputat gilt ebenso, dass Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen eine geringere Zahl an Pflichtstunden leisten m├╝ssen als Grund- oder Hauptschullehrkr├Ąfte. Hier sind es in den meisten Bundesl├Ąndern nur 23 oder 24 Stunden gegen├╝ber 26 oder 27 an der Mittelschule. Nur am Gymnasium ist die Pflichtstundenzahl mit 23 noch etwas niedriger. Wenden Sie sich gerne an Lehrer|Sch├╝ler, wenn Sie auf Grund Ihrer hohen Deputatsbelastung Hilfe zu den Themen Unterrichtsvorbereitung und Korrektur ben├Âtigen – unsere professionellen Beraterinnen und Berater aus dem aktiven Schuldienst coachen Sie gerne individuell.

>>> Bundesweit gute Einstellungschancen an beruflichen Schulen

Klingt attraktiv? Dann auf in das Lehramt an beruflichen Schulen ÔÇô denn wie so oft sind die Lehrkr├Ąfte einzelner Schularten untereinander nur eingeschr├Ąnkt kompatibel! Als Krankheitsvertretung sind Gym-Lehrerinnen und -lehrer an den beruflichen Schulen gern gesehen; ihr Einsatz ist aber meist zeitlich begrenzt. Auch hier gibt es aber nat├╝rlich wieder Unterschiede zwischen den Bundesl├Ąndern. So ist zum Beispiel in Bayern nach f├╝nf Jahren Schluss, wenn es nicht eine Sonderma├čnahme zur Nachqualifikation gibt. Das war in den letzten Jahren meist der Fall, aber verlassen kann man sich in den Augen von Lehrer|Sch├╝ler darauf nicht.

Deshalb sollte sich jede angehende Lehramtsstudentin und jeder potenzielle Lehramtsstudent fragen, ob es wirklich das Gymnasium mit seinen auf mittlere Sicht ├Ąu├čerst begrenzten Einstellungsm├Âglichkeiten und seinen oft gar nicht braveren, lernwilligeren Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern sein muss oder ob sich nicht auch ein Seitenblick in Richtung der beruflichen Schulen lohnen w├╝rde. F├╝r ein kurzes Lehrerpraktikum steht jede Schule auf Anfrage gern zur Verf├╝gung ÔÇö diese M├Âglichkeit kann w├Ąhrend der coronabedingten Einschr├Ąnkungen aber nat├╝rlich wegfallen.

>>> Passende Beratungsangebote von Lehrer|Sch├╝ler


Kontaktieren Sie uns jederzeit gerne!


#lehrerschueler ||| #lehrer #referendare #schulleitungen #studenten #lehramtsstudenten ||| #schule #unterricht #berufsschule #beruflicheschule #lehrerberuf #lehrerjob #lehramt #gew #studienberatung #lehreraufstieg #lehrerkarriere #korrekturen #oeffentlicherdienst #stundendeputat #lehrerarbeitszeit #nachqualifikation #lehrerqualifikation #quereinstieg #seiteneinstieg #lehrerpraktikum

#">ACACAC;">
­čĺí­čĺí­čĺí | Berufliche Schulen - Stiefkind des Lehramts | lehrerschueler.de
Titel
­čĺí­čĺí­čĺí | Berufliche Schulen - Stiefkind des Lehramts | lehrerschueler.de
Beschreibung
Blog von Lehrer|Sch├╝ler: Berufliche Schulen - das Stiefkind der Lehrerausbildung. Muss es unbedingt Gymnasium sein? | lehrerschueler.de Ôť│´ŞĆ
Verfasser
Herausgeber
Lehrer|Sch├╝ler
Herausgeber-Logo

Kommentarfunktion ist ausgeschaltet.