„Du, Chef… Wie wird man eigentlich Chef?“ – Aufstiegsmöglichkeiten im Lehrerberuf

Geschätzte Lesedauer: 6 Minuten

Die Frage aus dem Titel tatsächlich an die eigene Schulleitung zu richten – und dann noch in dieser Formulierung – dürften wohl die wenigsten Lehrkräfte in Erwägung ziehen. An sich ist das Interesse an diesem Thema aber natürlich berechtigt und es wird bei uns in den Beratungen für Lehrerinnen und Lehrer bei Lehrer|Schüler auch oft angesprochen. Wenn auch wohl die wenigsten Lehramtsstudierenden ihren zukünftigen Beruf wegen der guten Karriereaussichten als Lehrerin oder Lehrer gewählt haben dürften, ist die Frage, was man denn irgendwann „noch werden“ kann außer gewöhnliche Lehrkraft, sicher eines von vielen Kriterien für die Berufswahl von Pädagoginnen und Pädagogen im Schuldienst. In diesem Sinne wollen wir heute für Sie als Lehrerinnen und Lehrer untersuchen, wie es denn tatsächlich mit den Karrierechancen im Schulsystem aussieht.

>>> Das berufliche Schicksal aller Lehrkräfte: Keine echte „Karriere“ wie in der freien Wirtschaft

Zunächst eine Einschränkung: Eine „Karriere“ im landläufigen Sinn ist im Beamtensystem ohnehin nicht zu erwarten. Natürlich gibt es Aufstiegschancen; zum Teil sind sie auch mit erheblichen Gehaltssteigerungen verbunden, aber die meisten Beförderungsämter sind tatsächlich nur wenigen Auserwählten vorbehalten. Und auch wenn Sie hervorragende Leistungen im Lehrerberuf zeigen (das ist ohnehin die Grundvoraussetzung), ist der berufliche Aufstieg als Lehrerin oder Lehrer doch immer an das Vorhandensein einer entsprechenden Planstelle geknüpft. Das ist der wesentliche Unterschied zur „freien Wirtschaft“, wo es üblich ist, für eine bessere Stelle einen Arbeitgeberwechsel in Kauf zu nehmen – für Beamtinnen und Beamte im Schuldienst gibt es nun einmal nicht allzu viele potenzielle Arbeitgeber.

Lehrer|Schüler - Beratung für Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de
Lehrer|Schüler – Beratung für Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Betrachten wir also einmal die diversen Möglichkeiten, im Schulsystem aufzusteigen! Dabei wollen wir auch einen Blick auf die entsprechenden zu erwartenden Gehaltssteigerungen werfen. Wir beginnen mit dem sogenannten „gehobenen Dienst“ und dem (nur!) in finanzieller Hinsicht undankbarsten Lehramt, nämlich dem an Grundschulen. Immer noch gilt „Grundschullehrerin“ als klassischer Frauenberuf, was sich möglicherweise in den tatsächlich mageren Aufstiegschancen widerspiegelt (immerhin sind 89,39% der Lehrkräfte an Grundschulen weiblich). Dabei wird das pädagogische Personal an den Grundschulen nicht schlechter bezahlt als das an Mittelschulen, hat aber eine höhere Unterrichtsverpflichtung. Dies beklagen Kolleginnen und Kollegen in der Berufsberatung für Lehrerinnen und Lehrer bei Lehrer|Schüler immer wieder.

Was die Karrierechancen angeht, unterscheiden sich die beiden Schularten kaum: Eine Lehrkraft an Grund- oder Mittelschulen wird in der Besoldungsgruppe A12 eingestellt und verbleibt dort meist bis zur Pensionierung. Einige Bundesländer haben sich dazu entschlossen, die Besoldung nach A13 anzuheben. Dies geht oft einher mit der Verschmelzung von Mittel- und Realschulen zu „Oberschulen“ etc., also Schulen, die die Sekundarstufe I abdecken.

>>> Beruflicher Aufstieg im Lehramt: Karrierefaktor Schulart

Was die Aufstiegsmöglichkeiten angeht, ist die Auswahl an Grund- und Mittelschulen nach einer eingehenden Analyse von Lehrer|Schüler jedoch bescheiden. Dasselbe gilt für den Bereich der Förderschulen, wo allerdings immerhin A13 die Grundbesoldung darstellt. Eine realistische Aufstiegschance in allen bisher genannten Schularten ist die Übernahme der Schulleitung, die dann meist mit A13 oder A14 vergütet wird. Das hängt stets auch von der Schülerzahl ab, wie ein Blick ins Besoldungsgesetz von Baden-Württemberg beispielhaft zeigt. Weiter hinauf geht es dann nur mit einem Wechsel in das Schulamt und der Beförderung zur Schulrätin bzw. zum Schulrat. Das ist sicher keine Möglichkeit für jeden, aber immer noch halbwegs realistisch. Die Besoldung bewegt sich dann im Bereich A14 bis A15.

Besser sieht es im Bereich der Sekundarstufe II aus, also an Gymnasien und beruflichen Schulen. Hier sind wir dann im „höheren Dienst“, wo die Einstiegsbesoldung bundesweit bei A13 liegt. Früher (in der „guten alten Zeit“…) gab es am Gymnasium noch die Regelbeförderung zum Oberstudienrat in der Besoldungsgruppe A14. Dieses Relikt hat sich nur in Bayern erhalten, wo Gymnasiallehrkräfte nach etwa zehn „unfallfrei“ verbrachten Dienstjahren mit diesem Aufstieg rechnen können. In den anderen Bundesländern ist er mit der Übernahme einer Funktionsstelle verbunden, zum Beispiel mit dem Amt der / des Medienbeauftragten oder der Verwaltung der Lernmittelbücherei. Allzu groß sind die Hürden für den Aufstieg zur Oberstudienrätin / zum Oberstudienrat also nicht.

Lehrer|Schüler - Beratung für Schulleitungen | lehrerschueler.de
Lehrer|Schüler – Beratung für Schulleitungen | lehrerschueler.de

Etwas schwieriger wird es, wenn Sie eine A15-Stelle übernehmen und damit den Titel einer Studiendirektorin / eines Studiendirektors tragen wollen. Dieses Amt ist stets mit Leitungsaufgaben verbunden, meist als Stufen- oder Abteilungsleitung. Danach steht Ihnen der Weg in die Schulleitung offen, wo Sie mit A16 die höchste Stufe in der A-Besoldung erreicht haben. Dann verdienen Sie als unverheirateter, kinderloser Schulleiter (beides angesichts der Arbeitsbelastung leider sehr zu empfehlen!) zum Beispiel in Bayern ca. 5.300 € netto (vor Abzug der Kosten für die Krankenkasse). Ob sich das finanziell wirklich lohnt, sei dahingestellt….

Eine spezifisch bayerische Karrieremöglichkeit sei noch erwähnt: Für Realschulen, Gymnasien und Fachoberschulen gibt es insgesamt 17 sogenannte „Ministerialbeauftragte“, die als Schaltstelle zwischen Kultusministerium und den Schulen fungieren. Diese tragen den Titel „Leitende/r Realschulrektor/in” bzw. “Leitende/r Oberstudiendirektor/in“ und werden nach B3 (Realschulen: B2) besoldet. Das sind netto dann ca. 5.700 €.

>>> Wie plane ich als Lehrerin oder Lehrer meine Karriere im Schuldienst ?

Lehrer|Schüler - Beratung für Lehramtsstudenten | lehrerschueler.de
Lehrer|Schüler – Beratung für Lehramtsstudenten | lehrerschueler.de

Bleibt noch eine nicht unwesentliche Frage: Lässt sich eine solche Karriere planen – und wenn ja, wie? An dieser Stelle gleich ein Hinweis von Lehrer|Schüler: Genau genommen beginnt die Karriereplanung für Lehrerinnen und Lehrer bereits bei der Wahl der Studienfächer. Achten Sie einmal darauf, welche Unterrichtsfächer die Schulleitungen hatten, denen Sie bislang so begegnet sind! Sie werden feststellen, dass es sich dabei selten um zwei korrekturintensive Fächer handelt. Das kommt nicht von ungefähr.

Denn wenn Sie sich in der Schule so engagieren wollen, wie es ratsam ist, wenn Sie Karriere im Schuldienst machen wollen, dann brauchen Sie dafür schlicht auch eine Menge Zeit (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Auch die Wahl der Schulart kann entscheidend sein. Gerade im Bereich der Grund- und Mittelschulen ist die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf eine Stelle in der Schulleitung oft erschreckend gering. Das erhöht natürlich die Chancen des Einzelnen.

>>> Wie werden Planstellen für Lehrerinnen und Lehrer eigentlich vergeben?

Grundsätzlich jedoch folgt die Besetzung von Planstellen in der öffentlichen Verwaltung dem Prinzip der Bestenauslese – offiziell geht es nach „Eignung, Leistung und Befähigung“. Dieser feststehende Begriff besagt im Wesentlichen, dass die jeweilige Stelle an die vermeintlich beste Bewerberin / den wohl besten Bewerber vergeben wird. Im Klartext: Am Ende sind dennoch die Noten, und nur die Noten, entscheidend. Wenn Sie also von vornherein wissen, dass Sie nicht auf Dauer “einfache Lehrkraft” bleiben wollen, dann sollten Sie, so die Empfehlung von Lehrer|Schüler, von Anfang an darauf achten, dass Ihre Noten konkurrenzfähig sind.

Dies beginnt bei den beiden Staatsexamina für ein Lehramt und setzt sich mit den dienstlichen Beurteilungen im aktiven Lehrdienst fort. Auch beim Auswahlverfahren für Schulleitungen werden Noten vergeben. Hier unterscheidet sich das Prozedere von Bundesland zu Bundesland; teilweise werden sogar ähnlich wie in der freien Wirtschaft sogenannte “Assessment Center” eingerichtet, um den potenziellen Leitungsnachwuchs genauer unter die Lupe nehmen zu können. Sie merken also, dass der berufliche Aufstieg für Lehrerinnen und Lehrer einen großen Verwaltungsakt auslöst, wenn man erst einmal ein gewisses Niveau erreicht hat.

>>> Mogelpackung Bestenauslese im Schuldienst?

Die Bestenauslese an Schulen ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits schafft dieses System für die Bewerberinnen und Bewerber große Klarheit und Vergleichbarkeit, und weder Geschlecht noch Alter spielen im Auswahlverfahren eine Rolle. Andererseits wissen wir als Lehrerinnen und Lehrer natürlich genau um das manchmal subjektive Zustandekommen und die Aussagekraft von Noten. Außerdem gibt es durchaus Möglichkeiten, die Bestenauslese zu beeinflussen, indem man zum Beispiel schon die Ausschreibung auf eine vorab ausgewählte Bewerberin / einen speziellen Bewerber zuschneidet. Das funktioniert meist über die Forderung bestimmter (oft exotischer) Zusatzqualifikationen. Sie finden eine Stellenausschreibung, in der eine eher abseitige Qualifikation von den Lehrerinnen und Lehrern gefordert wird? Dann können Sie davon ausgehen, dass es bereits eine genau passende Bewerberin / einen „idealen“ Bewerber gibt. So läuft es zumindest in Fällen, in denen die Schulen selbst (mit-)entscheiden dürfen, an wen sie die ausgeschriebene Stelle vergeben wollen.

Sie fragen sich jetzt womöglich, was Sie als Lehrkraft noch tun können, um Ihre Karriereambitionen bestmöglich zu fördern. Nun, sehr viel ist das eigentlich nicht. Denn wenn Sie sich um gute Noten in den dienstlichen Beurteilungen bemühen, zeigen Sie genau das Engagement, das von Aspiranten auf Leitungspositionen gefordert wird. Beweisen Sie also Eigeninitiative und lassen Sie sich nicht lange bitten, wenn Extraaufgaben anstehen! Zeigen Sie, dass Schule für Sie nicht nur ein Arbeitsplatz ist, sondern eine Herzensangelegenheit! Und auch wenn es zunächst hart klingt: Beschränken Sie sich in Ihrem Engagement nicht auf die Arbeit mit Ihren Schülerinnen und Schülern und Ihren guten Unterricht! Dies ist nun einmal (systembedingt und zwangsläufig) der Bereich Ihrer Arbeit, der am wenigsten wahrgenommen wird. Dennoch ein gutgemeinter Rat: Auf der „Schleimspur“ sollten Sie Ihre Karriere nicht planen. Das kommt bei Kolleginnen und Kollegen wie bei Vorgesetzten schlecht an – und auf Dauer gesehen erweisen Sie sich selbst damit eher einen Bärendienst.

Das System Schule ist viel mehr als „nur“ Unterricht. Auf einer Leitungsposition im Schulwesen müssen Sie beweisen, dass Sie das “große Ganze” im Blick haben. Viele Lehrerinnen und Lehrer scheuen sich auch, ihre Erfolge angemessen zu präsentieren. Diesen Eindruck haben wir von Lehrer|Schüler in zahlreichen Beratungsgesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern gewinnen können. Überwinden Sie diese Scheu und stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel! Unsere professionellen Beraterinnen und Berater coachen Sie gerne zu den Themen Karriereplanung und Übernahme von Leitungsfunktionen im Schuldienst. Wir finden sogar: Viel mehr geeignete und engagierte Kolleginnen und Kollegen sollten eine Karriere im Schuldienst anstreben – schlechte Schulleitungen gibt es genug!

>>> Passende Beratungsangebote von Lehrer|Schüler


Kontaktieren Sie uns jederzeit gerne!


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Eine Antwort

  1. […] als Lehrerin oder Lehrer umso engagierter zeigen und sich für höhere Aufgaben empfehlen, wenn Sie in diese Richtung ernsthafte Ambitionen haben. Die Jahre der Ansparphase sind für Lehrkräfte, die sich für ein Sabbatjahr entschieden haben, […]

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