„Können Sie mir nicht einfach eine 2 geben?!“ – Wie vermeide ich als Lehrerin oder Lehrer das Feilschen um Noten?

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Wohl jede Lehrerin und jeder Lehrer kennt das Szenario, das uns auch oft in der Beratung bei Lehrer|SchĂŒler begegnet: Man gibt im Unterricht eine schriftliche Arbeit heraus und prompt flammt – völlig unabhĂ€ngig von den tatsĂ€chlichen Ergebnissen – eine Diskussion ĂŒber das Zustandekommen und die QualitĂ€t der erteilten Noten auf. Unerfahrene LehrkrĂ€fte kommen angesichts solcher Situationen, die in entsprechend gestimmten Klassen auch rasch eskalieren können, schnell ins Schleudern. Im Folgenden wollen wir beleuchten, wie solche Unklarheiten und in deren Folge Notendiskussionen eigentlich entstehen. NatĂŒrlich wird es auch darum gehen, wie sie sich durch kompetentes Lehrerhandeln vermeiden lassen.

>>> Notendiskussion als „Sport“ der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler?

ZunĂ€chst: Diskussionsfreudige SchĂŒlerinnen und SchĂŒler – gegebenenfalls auch deren Eltern – sind nervig, keine Frage. Zumal es meist nicht darum geht, ob die Lehrkraft nicht doch noch eine „4“ geben könnte, sondern eher darum, ob die Arbeit statt mit 13 nicht doch eher mit 14 oder 15 Punkten zu bewerten sei. Anscheinend, so die Klage vieler Kolleginnen und Kollegen in der Beratung bei Lehrer|SchĂŒler zu den Themen Unterrichtsvorbereitung und Korrektur, ist bei tendenziell eher guten SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern die Erwartungshaltung bezĂŒglich sehr guter Noten deutlich ausgeprĂ€gter als bei solchen, die eher noch froh sind, die „3“ oder auch die „4“ geschafft zu haben.

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Schulleitungen | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Schulleitungen | lehrerschueler.de

Wirklich anstrengend fĂŒr PĂ€dagoginnen und PĂ€dagogen im Schuldienst werden solche Diskussionen dann, wenn sie so ausarten, dass die RĂŒckgabe einer Arbeit zum zeit- und nervenraubenden Kraftakt wird. Wenn sich dann noch die Eltern einmischen und die Unterrichts- und Bewertungskompetenz der Lehrkraft anzweifeln, potenziert sich das Problem. Wohl der Lehrkraft, die dann eine Schulleitung hat, die ihr den RĂŒcken stĂ€rkt und die Eltern in ihrer Haltung nicht noch ermutigt! Ist die Situation erst einmal außer Kontrolle geraten, ist es auch fĂŒr erfahrene Lehrerinnen und Lehrer nicht immer leicht, sie noch so zu steuern, dass kein Schaden am Lehrer-SchĂŒler-VerhĂ€ltnis fĂŒr die Zukunft entsteht.

>>> Bleiben Sie der Chef im Ring: Notendiskussionen im Unterricht eindÀmmen und Ihre Kompetenz als Lehrerin oder Lehrer betonen

Ein guter Ansatz, um Notendiskussionen zu vermeiden, ist nach Ansicht von Lehrer|SchĂŒler bei den entsprechenden Kandidatinnen und Kandidaten zumindest in der Oberstufe folgende Überlegung: „Letztes Jahr hatten Sie eine 3 (oder eine 4) … Was haben Sie denn nun so viel besser gemacht, dass eine Steigerung von ein bis zwei Notenstufen gerechtfertigt wĂ€re?“ Das dreht ein wenig den „Rechtfertigungszwang“ um. NatĂŒrlich haben Sie gerade im Bereich der mĂŒndlichen Noten (zum Beispiel auf UnterrichtsbeitrĂ€ge) oft das Problem, dass Ihre Notengebung nicht nur auf nachvollziehbaren, „harten“ Kriterien beruht, sondern auch schlicht auf Ihrer Erfahrung als professionelle Lehrkraft. Wenn aber eine SchĂŒlerin oder ein SchĂŒler ohne Argumente auf einer bestimmten Note besteht, sollten Sie entsprechende Aufzeichnungen zu Rate ziehen können.

Insgesamt gilt: Diskutieren Sie nicht mit den Jugendlichen! Sie haben Ihre Notengebung transparent gemacht. Sie sind Expertin oder Experte in Ihren FĂ€chern und wissen am besten, was eine gute und was eine schlechte Leistung ist. Mit den Eltern diskutieren Sie erst recht nicht. Die Jugendlichen wollen beispielsweise einen gymnasialen Abschluss machen und danach möglicherweise studieren gehen, also werden sie wohl lernen mĂŒssen, sich um sich selbst zu kĂŒmmern. Das Gleiche gilt fĂŒr andere Schularten analog. Auch und gerade in der Grundschule wird nicht diskutiert, sondern informiert und begrĂŒndet! Als ausgebildete Lehrkraft sind Sie die einzige AutoritĂ€t in dieser Frage, die die nötige Sachkompetenz aufweist, um qualitativ hochwertige DiskussionsbeitrĂ€ge abgeben zu können. Alle anderen Diskussionsteilnehmerinnen und Diskussionsteilnehmer sind Ihnen notwendigerweise deutlich unterlegen, so dass eine Fachdiskussion auf Augenhöhe gar nicht möglich wĂ€re – also sollten Sie es auch gleich lassen!

>>> Notendiskussionen: Datenschutz und Informationspflichten bei der Notenbekanntgabe als Lehrerin oder Lehrer

Doch vorab einige Tipps von Lehrer|SchĂŒler, um die Herausgabe von Arbeiten und die Notenbekanntgabe fĂŒr Sie als Lehrerin oder Lehrer zu erleichtern. Diese ist schließlich auch datenschutzrechtlich problematisch. Die jeweiligen Noten vor der ganzen Klasse zu verkĂŒnden, wie es frĂŒher ĂŒblich war, verbietet sich heutzutage. (Und, Hand aufs Herz: LehrkrĂ€fte, die die Arbeiten nach Noten sortiert herausgeben, kennen Sie doch hoffentlich auch nur noch vom Hörensagen?!) Seien wir ehrlich: Das ist auch gut so. Über manche AuswĂŒchse des Datenschutzes lĂ€sst sich trefflich streiten, aber dass es Sache der einzelnen SchĂŒlerin bzw. des einzelnen SchĂŒlers sein sollte, ob und, wenn ja, wem sie oder er ihre oder seine Noten offenbart, ist weniger eine Frage des Datenschutzes als eine des Anstands. 

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Eine gute (und bei sauberer BuchfĂŒhrung völlig unaufwĂ€ndige) Art der Notenbekanntgabe ist es, auf jeder Klassenarbeit den momentanen Notenstand zu vermerken. Gerade in der Oberstufe möchten viele SchĂŒlerinnen und SchĂŒler jederzeit informiert sein, wie sie im jeweiligen Fach „stehen“. Diese Information regelmĂ€ĂŸig zur VerfĂŒgung zu stellen, vermeidet stĂ€ndige Nachfragen und schafft Transparenz. Bei der Herausgabe können Sie dann die Arbeiten einzeln am Pult abholen lassen oder sie bei der Verteilung umgedreht auf dem Tisch der SchĂŒlerin oder des SchĂŒlers ablegen und bringen so niemanden in Verlegenheit, weil er eine zu schlechte (Unter- und Oberstufe) oder zu gute und damit „uncoole“ Note (Mittelstufe alias PubertĂ€t) bekommen hat.

>>> Vertrauen zwischen SchĂŒlerinnen und SchĂŒlerin sowie LehrkrĂ€ften durch Transparenz bei der Notenvergabe

An dieser Stelle zunĂ€chst ein kleiner Exkurs: Man sollte sich natĂŒrlich gerade am Beginn der Oberstufe – also auch schon in der zehnten Jahrgangsstufe – dessen bewusst sein, dass sich nun fĂŒr die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler im Hinblick auf die an sie gestellten Anforderungen noch einmal einiges Ă€ndert. War bislang mehr oder weniger reines Auswendiglernen gefragt, ist damit nun kein Preis mehr zu gewinnen. Jetzt mĂŒssen die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler viel mehr Transfer leisten, also erklĂ€ren und ZusammenhĂ€nge verstehen, um Punkte zu bekommen. Auch in den SprachenfĂ€chern geht es jetzt viel mehr in Richtung Arbeit mit (Original-)Texten. Das muss man den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern nach der Erfahrung von Lehrer|SchĂŒler immer wieder erlĂ€utern. Was ist aber nun konkret zu tun, um auch die Notenfindung so klar und transparent zu machen, dass sowohl SchĂŒlerinnen und SchĂŒler als auch Eltern nicht stĂ€ndig meinen, sie könnten noch etwas „herausholen“?

Auch hier lautet ein wichtiger – wenn nicht der wichtigste – Punkt schlicht: Transparenz. Gerade in den geisteswissenschaftlichen FĂ€chern (aber auch in den Naturwissenschaften, man tĂ€usche sich da nicht!) ist es Ă€ußerst wichtig, die Kriterien der Notengebung von Anfang an komplett offenzulegen. Gibt es an Ihrer Schule Bewertungsraster, zum Beispiel fĂŒr bestimmte Aufsatzarten im Fach Deutsch oder in den Fremdsprachen? Gerade dort lassen sich leicht transparente Anforderungen schaffen, auch wenn man auf den ersten Blick etwas Anderes denken mag. HĂ€ufig sind Bewertungsraster auch offiziell vorgegeben. Solche kennt man zum Beispiel fĂŒr den Bereich des „argumentative writing“ im Fach Englisch, wo oft eine ungefĂ€hre Wortanzahl gefordert ist, deren ErfĂŒllung ebenfalls in die Bewertung einfließt, und es dann eine feste Zahl an Bewertungseinheiten fĂŒr bestimmte Bereiche gibt (also beispielsweise Inhalt und Sprache). Hier bietet es sich zunĂ€chst an, sich so ein Raster zu erarbeiten (falls es nicht schon vorhanden ist) und die Aufgaben dann so zu stellen, dass sie nach diesem Raster korrigiert werden können.

>>> Feedbackfunktion und Ermittlung des Förderbedarfs als wichtige Ziele der Notenvergabe

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Die einzelnen Kriterien mĂŒssen nach dem DafĂŒrhalten von Lehrer|SchĂŒler natĂŒrlich nachvollziehbar sein – es ist definitiv sinnvoll, diese den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern (zumindest in höheren Klassen) auch am Jahresanfang einmal zu erlĂ€utern. Ideal wĂ€re es, gĂ€lten diese Bewertungsraster dann auch fĂŒr die ganze Schule. Die in vielen LehrplĂ€nen geforderte Kompetenzorientierung sollte sich hier dann ebenfalls widerspiegeln. Der eigenen Korrektur und Bewertung ein solches Kompetenzraster zugrunde zu legen, dient ĂŒbrigens nicht nur der Transparenz, sondern ist auch ungemein nĂŒtzlich, um die Korrektur so gerecht und einheitlich wie möglich zu gestalten.

Gleichzeitig bietet es sich an, die RĂŒckgabe der Arbeit mit einem schriftlichen Feedback zu verknĂŒpfen. Auf einem solchen RĂŒckmeldungsbogen kann man dann auch gleich den individuellen Förderbedarf einzelner SchĂŒlerinnen und SchĂŒler festhalten. So kann jede SchĂŒlerin und jeder SchĂŒler sofort die Konsequenzen aus ihren bzw. seinen Fehlern ziehen – der Lerneffekt ist dann wesentlich grĂ¶ĂŸer als wenn sie oder er nur die Randbemerkungen sieht (oder bei DeutschaufsĂ€tzen den Kommentar). Gerade hier ist der Feedbackbogen sogar eine große Erleichterung fĂŒr Sie als Lehrkraft, denn bei entsprechender Gestaltung können Sie dann den frei formulierten Schlusskommentar unter dem Aufsatz (der in vielen BundeslĂ€ndern vorgeschrieben ist) erheblich verkĂŒrzen.

>>> Argumente fĂŒr einheitliche Bewertungsbögen an Ihrer Schule oder in Ihrer Fachschaft

In Ihrer Fachschaft gibt es kein solches System? Regen Sie an, dass es schnellstens eingefĂŒhrt wird! Unter UmstĂ€nden mĂŒssen Sie hier natĂŒrlich Überzeugungsarbeit leisten; gerade im Fach Deutsch könnten Sie zunĂ€chst auf Vorbehalte stoßen. Das macht natĂŒrlich zunĂ€chst viel Arbeit. SpĂ€testens, wenn Sie die nĂ€chste Klassenarbeit korrigieren, werden Sie aber davon profitieren und mittelfristig ein Vielfaches an Zeit sparen. Die wichtigsten Argumente fĂŒr dieses System sind, dass 


  • … Sie eine quasi unangreifbare Notengrundlage haben,

  • … es kaum noch Nachfragen bezĂŒglich der Bewertung gibt (und wenn doch, sind sie eher konstruktiver Natur),

  • … jede SchĂŒlerin und jeder SchĂŒler automatisch einen Förderplan bekommt (auf den Sie lĂ€ssig verweisen können, wenn die Leistungen nicht besser werden) und

  • … die Bewertung der Arbeiten viel schneller geht, weil die Kriterien schriftlich fixiert sind und nur noch im Kopf „abgehakt“ werden mĂŒssen.

Möchten Sie konkret wissen, wie Sie ein solches System als Lehrkraft an Ihrer Schule einfĂŒhren und umsetzen können? Dann buchen Sie ein Praxiscoaching bei Lehrer|SchĂŒler zu dem Thema Unterrichtsvorbereitung und Korrektur – kontaktieren Sie uns noch heute!

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