Mit Lehrern ├╝ber private Probleme reden – Chancen und Grenzen des Lehrerberufs

Gesch├Ątzte Lesedauer: 5 Minuten

Als Lehrkraft zu arbeiten, hei├čt – mehr als in anderen Berufen – gleich eine betr├Ąchtliche Anzahl an verschiedenen Aufgaben auf ein Mal zu erf├╝llen. Man ist gleichzeitig Lehrer und Sozialp├Ądagoge, Elternersatz und Erzieher, Vertrauensperson und bester Freund – je nachdem, was die Jugendlichen gerade am meisten ben├Âtigen, versucht man als engagierte Lehrerin oder guter Lehrer dem Lehrerjob mit seinen enormen Anforderungen und damit seinen Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern m├Âglichst gut gerecht zu werden.

Doch wo liegen die Grenzen des Wohlt├Ątertums? Wie kann man bewundernswerten Einsatz und ├╝bertriebene Distanzlosigkeit gegeneinander abgrenzen, wenn man in der Schule arbeitet? Woran erkennt man das „Helfersyndrom„, das sich bei vielen Lehrerinnen und Lehrern diagnostizieren l├Ąsst? In welchem Ma├če sind Lehrkr├Ąfte auch f├╝r das pers├Ânliche Wohlergehen der Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler verantwortlich? In welchen Fragen darf und sollte man seine „Paukerinnen“ und „Pauker“ als besondere Vertrauensperson zurate ziehen und wann erscheint ein gewisser emotionaler Abstand zwischen Lehrkr├Ąften und Sch├╝lerinnen bzw. Sch├╝lern angemessen? Lehrer|Sch├╝ler kl├Ąrt auf ├╝ber einen diffizilen Fragenkomplex, den man nicht ganz pauschal beantworten kann und bei dem es aber eigentlich auf eine klare Antwort ankommt.

>>> Kompetenzen eines Lehrers / einer Lehrerin – was Lehrkr├Ąfte alles k├Ânnen m├╝ssen

Lehrer|Sch├╝ler - Beratung f├╝r Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Lehrer|Sch├╝ler – Beratung f├╝r Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Zun├Ąchst einmal ist „das Lehrersein“ ein akademischer Beruf – man muss (gut ein halbes Jahrzehnt) studieren und im anschlie├čenden meist zweij├Ąhrigen „Referendariat“ f├╝r ein Lehramt das p├Ądagogische und didaktische Handwerkszeug von der Pike auf und ganz praktisch lernen. Klar hat man bis dato schon einige Praktika f├╝r angehende Lehrerinnen und Lehrer hinter sich, doch der Praxisschock im Lehramt ist f├╝r viele Jungp├Ądagoginnen und Jungp├Ądagogen unvermeidlich. Das erste Mal vor einer Klasse zu stehen ist f├╝r viele Lehrkr├Ąfte in spe eine erhebende, aber oft auch einsch├╝chternde Erfahrung. Die einen bemerken in diesem Moment, dass sie ihre berufliche Bestimmung im Lehrerjob gefunden haben, die anderen zweifeln an der Berufswahl als Lehrerin oder Lehrer und spielen mit dem Gedanken an einen Ausstieg aus dem Lehrerberuf und eine berufliche Neuorientierung als Lehrerin oder Lehrer, bevor sie ├╝berhaupt richtig in den Alltag einer professionellen Lehrkraft eingetaucht sind.

Lehrer|Sch├╝ler f├╝hrt seit Jahren Beratungsgespr├Ąche mit Studierenden eines Lehramts, Lehramtsreferendarinnen und Lehramtsreferendaren sowie ausgebildeten Lehrkr├Ąften aller Altersklassen bis hin zu Schulleitungen und auch mit Aussteigern aus dem sowie Quer- und Seiteneinsteigern in den Lehrerberuf. Dabei ist uns aufgefallen, dass es vor allem auf folgende f├╝nf Kernkompetenzen ankommt, wenn man als Lehrerin oder Lehrer erfolgreich sein und w├Ąhrend des Alltags als Lehrkraft gesund bleiben will:

  • Stressresistenz: Es ist unabdingbar, dass Lehrerinnen und Lehrer auch im hektischen Alltag freundlich, den Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern (sowie den Kolleginnen und Kollegen!) zugewandt sowie in hitzigen Situationen entscheidungsf├Ąhig bleiben – denn Hektik gibt es in der Schule nahezu t├Ąglich mehr als genug.

  • Entscheidungsfreude: Als Lehrkraft muss man nicht nur schnell entscheiden k├Ânnen, man sollte es auch gerne tun und dabei stets in der Lage sein, die Konsequenzen der eigenen erzieherischen und p├Ądagogischen Entscheidungen zu ├╝berblicken und so gut wie m├Âglich vorhersehen zu k├Ânnen.

  • Geradlinigkeit: Um in der Lehrerrolle authentisch wirken zu k├Ânnen, sollten Lehrerinnen und Lehrer geradlinig sein. Darunter subsummieren kann man Charaktereigenschaften wie Loyalit├Ąt, Vertrauensw├╝rdigkeit, Offenheit und Ehrlichkeit. Sie m├╝ssen als P├Ądagogin oder P├Ądagogin konsequent Ihre Erzieher- und Wissensvermittlerrolle einnehmen, ohne dabei aber eine Rolle zu spielen – eine diffizile Gratwanderung.

  • Konsequenz: Lehrerinnen und Lehrer d├╝rfen keine „F├Ąhnlein im Wind“ sein, denn wenn sie keine klare Meinung haben, machen sie sich zum Spielball von Intrigen und Beeinflussung. Die Ziele von Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern sowie Eltern, Kolleginnen und Kollegen und der Schulleitung sind ├Ąhnlich, aber bei weitem nicht deckungsgleich. Die Reputation einer Lehrkraft ist ihr Kapital – Disziplin im Unterricht erreichen Sie nicht nur durch ├╝berzeugende Ma├čnahmen im Einzelfall, sondern durch ein stimmiges Gesamtbild als verl├Ąssliche Leitfigur mit klaren und unverhandelbaren Regeln.

  • Motivationsf├Ąhigkeit: Ein h├Ąufig untersch├Ątzter Aspekt des Lehrerberufs ist es, wie sehr es doch darauf ankommt, wie anspornend und begeisternd man als Lehrerin oder Lehrer die Faszination f├╝r die eigenen F├Ącher vermittelt. Wenn Sie sich anmerken lassen, dass Sie Ihr Zweitfach nur aus Verlegenheit oder einem Mangel an Alternativen studiert haben, merken das unter Garantie auch die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler. Wenn Sie Begeisterung erwarten, m├╝ssen Sie auch Begeisterung entfachen!

>>> Lehrer-Sch├╝ler-Verh├Ąltnis: Wie intim darf das Vertrauensverh├Ąltnis zwischen Lehrern und Sch├╝lern sein?

Es gibt aus Sicht von Lehrer|Sch├╝ler einen potenziellen Teufelskreis, dessen man sich als Lehrerin oder Lehrer jederzeit bewusst sein sollte: Viele P├Ądagoginnen und P├Ądagogen haben ihren Beruf ergriffen, weil sie „anderen Menschen helfen“ und „Wissen vermitteln“ wollen – das ist zun├Ąchst einmal honorabel, aber auch gef├Ąhrlich. Denn wenn der Wunsch, sozial zu sein eigentlich ein verkappter Wunsch nach Anerkennung ist und die Hilfe f├╝r Andere in Wahrheit nur dem Aufblasen des Lehreregos dient, wird es gef├Ąhrlich. Wenn man sich als Lehrkraft unprofessionell verh├Ąlt und nach der Anerkennung von Kindern und Jugendlichen giert, macht man sich von der zwischenmenschlichen Qualit├Ąt des Lehrer-Sch├╝ler-Verh├Ąltnisses abh├Ąngig. Da jede Beziehung zwischen Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern bzw. Lehrerinnen und Lehrern immer auch die eine eines asymmetrischen Machtverh├Ąltnisses ist, kann es nicht funktionieren, wenn sich die Person mit mehr Macht am Zuspruch der weniger m├Ąchtigen Person labt.

Lehrer|Sch├╝ler - Beratung f├╝r Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

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Woher wei├č ich als Lehrerin oder Lehrer also nun, welche Aufgabe noch in meinen Zust├Ąndigkeitsbereich f├Ąllt? Nun, zun├Ąchst einmal sind das alle inhaltlichen Fragen zum Unterrichtsstoff und Ihren F├Ąchern. Dar├╝ber hinaus bilden Sie aber auch zusammen mit den Eltern eine Erziehungsgemeinschaft – genau, mit den Eltern! Das bedeutet, dass Sie dem Wunsch nach einem „Gespr├Ąch unter vier Augen“ zwischen Ihnen und einer Sch├╝lerin oder einem Sch├╝ler nur nachkommen sollten, wenn Sie der oder dem Jugendlichen auch das Zugest├Ąndnis abringen k├Ânnen, dass Sie fr├╝her oder sp├Ąter zumindest die Tatsache, dass Sie ein Gespr├Ąch gef├╝hrt haben, auch den Eltern gegen├╝ber erw├Ąhnen d├╝rfen. Oder Sie holen sich eine Kollegin oder einen Kollegen Ihres Vertrauens hinzu oder laden Ihre Gespr├Ąchspartnerin / Ihren Gespr├Ąchspartnerin dazu ein, die beste Freundin oder den dicksten Kumpel aus der Klasse mit dazuzuholen. So haben Sie auch f├╝r sich ein Korrektiv geschaffen, wenn Sie bef├╝rchten, die Grenze zwischen „gut gemeint“ und „├╝bertrieben“ nicht rechtzeitig erkennen zu k├Ânnen und kommen gar nicht in die Verlegenheit, im Nachhinein ein besch├Ądigtes Lehrer-Sch├╝ler-Verh├Ąltnis wieder kitten zu m├╝ssen.

Sie k├Ânnen sicherlich allgemeine Lebenstipps und Handlungsempfehlungen geben, sollten aber stets erw├Ąhnen, dass die Sch├╝lerin bzw. der Sch├╝ler selbst entscheiden muss, wie sie oder er in einer konkreten schwierigen Lebenssituation handeln m├Âchte – dieses Commitment zu einem Entschluss und seinen Konsequenzen k├Ânnen Sie ihm oder ihr nicht abnehmen. Sie k├Ânnen auch an einschl├Ągig qualifizierte Beratungsstellen verweisen – die schulinterne Sozialp├Ądagogin, die Berufsberatung, ├╝berkonfessionelle Hilfsorganisationen, das Jugendamt, den Frauenarzt, eine Psychologin, Familienberatungsstellen, …. Sie sind als Lehrerin oder Lehrer nicht allwissend und sollten das Ende Ihrer Kompetenz und damit Zust├Ąndigkeit fr├╝hzeitig erkennen und anerkennen – damit helfen Sie Ihrem Gegen├╝ber am meisten.

>>> Die besondere Vertrauensebene zwischen Lehrkr├Ąften und Sch├╝lerinnen bzw. Sch├╝lern sinnvoll nutzen

Doch Lehrer|Sch├╝ler warnt: Auf keinen Fall sollten Sie jedoch als Lehrerin oder Lehrer wie ein emotionsloser Roboter agieren, nur damit Sie nicht in die Gefahr geraten, zu privat mit Ihren Sch├╝lerinnen oder Sch├╝lern zu werden. Achten Sie auf verbale und nonverbale Signale, die die Kinder und Jugendlichen aussenden! Manchmal brauchen diese auch nur jemanden, der ihnen f├╝nf Minuten zuh├Ârt oder der Verst├Ąndnis zeigt – zu Hause haben sie diese M├Âglichkeit eventuell nicht. Dann ist es durchaus in Ordnung, wenn Sie eine Ansprechstelle zur rechten Zeit sind, denn auch dadurch vermitteln Sie Ihrer Sch├╝lerschaft wertvolle Lebenskompetenzen. Allein die Tatsache, dass Sie bereit sind, Ihre eigene Zeit zu opfern, honorieren viele Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler mit Respekt und einem Leistungsschub auf Grund gestiegener Eigenmotivation.

Lehrer|Sch├╝ler - Beratung f├╝r Eltern von Sch├╝lern | lehrerschueler.de

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Ziel jedes Gespr├Ąchs zwischen Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern und ihren Lehrerinnen oder Lehrern sollte es immer sein, Probleme, die die schulische Leistung verf├Ąlschen, zu identifizieren und nachhaltig zu l├Âsen. Ein zielloser Smalltalk oder gar Gesch├Ąkere sind daher nicht angemessen, auch vor einem nahezu therapeutischen Verh├Ąltnis ist zu warnen. Eine Art Lebensberatung mitsamt dem Aufzeigen von L├Âsungsans├Ątzen ist die Art von Lehrer-Sch├╝ler-Verh├Ąltnis, die Sie anstreben sollten.

>>> Passende Beratungsangebote von Lehrer|Sch├╝ler


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