Schulschließungen, Distanzunterricht und Digitalisierung: Hilfe fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer im Homeschooling

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Die COVID-19-Viruspandemie, die seit Anfang letzten Jahres weltweit grassiert, hat die Menschheit bis ins Mark getroffen und muss schon jetzt als ZĂ€sur von historischem Ausmaß in der Weltgeschichte gelten. Auch die Schulen und das gesamte Bildungssystem in Deutschland hat die epidemiologische Ausnahmesituation „eiskalt“ erwischt und sicher nachhaltig verĂ€ndert. Besonders das Thema Digitalisierung, das im 21. Jahrhundert ohnehin höchst aktuell ist, wurde direkt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit auch solcher Menschen katapultiert, die nicht dem Bildungssektor entstammen.

Im Folgenden ordnet Lehrer|SchĂŒler fĂŒr Sie als PĂ€dagogin oder PĂ€dagoge im Schuldienst die prominent in den Vordergrund getretene Notwendigkeit zu digitalem Unterricht ein und stellt Ihnen Möglichkeiten vor, wie Lehrerinnen und Lehrer kompetentes Homeschooling und zeitgemĂ€ĂŸen Distanzunterricht bestreiten können. Abschließend widmen wir uns den Themen Datenschutz und Lehrergesundheit – zwei Bereiche, die im Zusammenhang mit dem neuerlichen Onlineunterricht besonders dringend sind, aber trotzdem nicht immer genug Beachtung  finden.

>>> Schulschließungen – eine Chance fĂŒr die Digitalisierung des Bildungssystems?

„Der Lehrer hat die Aufgabe, eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten bei Nebel durch unwegsames GelĂ€nde in nordsĂŒdlicher Richtung zu fĂŒhren, und zwar so, dass alle bei bester Laune und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielen ankommen.“

Dieses vielstrapazierte Zitat von Prof. Wolf MĂŒller-Limmroth passt fĂŒr LehrkrĂ€fte immer – derzeit besonders gut aber auf die „Corona-Krise“. Das merken wir auch deutlich bei der Beratung von Lehrer|SchĂŒler fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer. Warum? Ganz einfach: Im Zuge der Corona-Krise sind bereits zum zweiten Mal deutschlandweit praktisch alle Schulen fĂŒr mehrere Wochen komplett geschlossen worden. Eine Wiederaufnahme des regulĂ€ren Betriebs ist noch nicht absehbar.

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Einstweilen werden unterschiedliche Modelle erprobt, um den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern wenigstens einen Teil des gewohnten PrĂ€senzunterrichts zukommen zu lassen. Viele Lehrerkolleginnen und Lehrerkollegen sind nach wie vor darauf angewiesen, ihren Unterricht so gut es geht vom Homeoffice aus zu halten. Doch wie kann das funktionieren, wenn die Lerngruppe aus bestens versorgten „Spitzensportlern“ besteht, die problemlos Zugang zur erforderlichen Hardware (und zu elterlichem IT-Support!) haben, und „Behinderten“, bei denen schon das Ausdrucken eines Arbeitsblattes am fehlenden Drucker scheitert?

>>> Insgesamt schlechte digitale Ausstattung deutscher Schulen

Und wie sind eigentlich die Schulen fĂŒr diese pĂ€dagogische Herausforderung gerĂŒstet? Glaubt man den meisten Stimmen in einschlĂ€gigen Foren, muss die Antwort nach den Recherchen von Lehrer|SchĂŒler lauten: Schlecht. LĂ€ngst nicht alle BundeslĂ€nder haben eigene Lösungen fĂŒr die digitale Bereitstellung von Unterrichtsinhalten entwickelt, und wo diese existieren – beispielsweise „Mebis“ in Bayern oder „logineo“ in Nordrhein-Westfalen – waren sie dem aktuellen Ansturm zunĂ€chst nicht gewachsen; die User berichteten reihenweise ĂŒber AusfĂ€lle und Nicht-Erreichbarkeit.

Wer gezwungen ist, mit diesen Plattformen zu arbeiten, tut gut daran, seine AktivitĂ€ten „antizyklisch“ auszurichten, also dann Material hochzuladen, wenn weniger Traffic zu erwarten ist. Mittlerweile aber – das sei zugegeben – wurde die Hardwareausstattung vielerorts mit großer Geschwindigkeit zumindest teilweise an die neuen unterrichtlichen Gegebenheiten angepasst. Doch welche Möglichkeiten gibt es grundsĂ€tzlich und abseits der „großen“, landeseigenen Lösungen fĂŒr die Versorgung der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mit dem aktuellen Unterrichtsmaterial? Und wie vertrĂ€gt sich das schulische Handeln mit dem Datenschutz?

>>> Lösung 1: Do-it-yourself als Variante fĂŒr Homeschooling und Distanzunterricht

Da wĂ€re zunĂ€chst die „Bastellösung“ aus verschiedenen Bausteinen, die praktisch jeder zur VerfĂŒgung hat – per E-Mail lassen sich auch fĂŒr die schulische Verwendung Dokumente unkompliziert hin- und herschicken, einfache ErklĂ€rvideos sind auch zu Hause schnell erstellt (das funktioniert selbst mit dem Smartphone erstaunlich gut!) und bei YouTube so hochgeladen, dass nur User sie sehen können, die den entsprechenden Link zur VerfĂŒgung haben (dazu mĂŒssen Sie das Video auf “nicht gelistet” oder “privat” setzen).

Von den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern erstellte Dokumente lassen sich mit den gĂ€ngigen Textverarbeitungsprogrammen so korrigieren, dass die Änderungen jederzeit nachvollziehbar sind. Hier sollte man nach der Ansicht von Lehrer|SchĂŒler von Anfang an darauf bestehen, dass die Aufgaben nicht handschriftlich bearbeitet und mit dem Smartphone abfotografiert werden, sonst verbaut man sich diese Möglichkeit. Ohnehin sind Fotos als Medium eigentlich ungeeignet – die Dateien sind meist zu groß und oft schlecht lesbar.

Die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mĂŒssen also, wenn sie keinen Scanner zur VerfĂŒgung haben, wenigstens dazu angehalten werden, ihre Arbeitsergebnisse mit einer geeigneten App (zum Beispiel Microsoft Office Lens) als PDF zu erfassen. Solche Dateien können dann leicht verschickt und ohne Nachbearbeitung am Bildschirm betrachtet und mit Bemerkungen versehen werden.

>>> Lösung 2: Empfehlenswerte digitale Alternativen fĂŒr das Homeschooling: Videokonferenztools fĂŒr unkomplizierten Distanzunterricht

Dennoch kann dies – so bestechend es zunĂ€chst erscheinen mag – nicht der Königsweg fĂŒr digitalen Schulunterricht sein. Ein gewichtiges Argument gegen den reinen Austausch von Material ohne direktes Feedback durch die Lehrkraft liegt in der fehlenden Chancengleichheit dieser Methode. SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern fehlt oft die direkte Kommunikation mit der Lehrerin oder dem Lehrer und damit die Möglichkeit, bei nicht verstandenen Sachverhalten direkt nachzufragen. Auch ein UnterrichtsgesprĂ€ch ist so kaum möglich.

Ein heißer Tipp fĂŒr das Homeschooling und den Distanzunterricht sind Videokonferenzen. DafĂŒr benötigt man keine spezielle Hardware außer Webcam und Headset, deren Vorhandensein heutzutage als Standard betrachtet werden darf, und es gibt etliche Plattformen, die sich – zumindest in einer Anfangsphase, oft aber auch dauerhaft – kostenfrei nutzen lassen. “Mumble”, “webRTC” oder “Jitsi Meet” sind hierfĂŒr gute Beispiele – Lehrer|SchĂŒler kann diese Videokonferenztools fĂŒr das Homeschooling und den Distanzunterricht guten Gewissens empfehlen.

Meist sind die Angebote fĂŒr eine Zahl von 10 bis 15 Teilnehmern ausgerichtet; man wird bei den meisten Klassen also eine Teilung vornehmen mĂŒssen. Bessere Möglichkeiten bietet hier “Big Blue Button”, eine Open-Source-Software, mit der sich Videokonferenzen im Homeschooling ohne großen Aufwand realisieren lassen. Bestechend daran ist vor allem die Tatsache, dass es sich dabei zunĂ€chst nur um eine reine Software handelt, die auf einem beliebigen Server installiert werden kann. Schon fĂŒr ca. 100 € im Monat kann man einen dedizierten – also exklusiv genutzten – Server mieten, auf dem das Konferenztool in der Regel problemlos lĂ€uft. Das ist natĂŒrlich keine Lösung fĂŒr die einzelne Lehrkraft, sondern sollte als Investition fĂŒr die ganze Schule angeregt werden. 100 € im Monat sollten auch fĂŒr den klammsten SchultrĂ€ger “drin” sein. Wenn es selbst daran scheitert, sollte man sich als Lehrerin oder Lehrer ohne schlechtes Gewissen zurĂŒcknehmen und so gut es geht mit den vorhandenen Ressourcen arbeiten. Ein weiterer Vorteil von “Big Blue Button”: Es lĂ€uft im Browser, kann also problemlos auch auf dem Smartphone eingesetzt werden.

>>> Homeschooling und Datenschutz – Rechtssicherheit im Distanzunterricht

Eine wichtige Frage fĂŒr die meisten Lehrerinnen und Lehrer im Zusammenhang mit Digitalisierung und Unterricht ĂŒber das Netz ist stets auch “Darf ich das?”, meist bezogen auf Urheberrechte oder Datenschutz. Deshalb auch hierzu einige Anmerkungen. Lehrer|SchĂŒler-Tipp: iRIGHTS hat sich ausfĂŒhrlich mit dem Thema Homeschooling und Datenschutz auseinandergesetzt und stellt eine gute Informationsressource fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer zum Thema Rechtssicherheit im Distanzunterricht dar.

Das Grundproblem bei vielen Anwendungen fĂŒr Videokonferenzen ist die unkontrollierbare Weitergabe von Daten an Dritte, insbesondere an soziale Netzwerke wie Facebook und Konsorten. Auch aus diesem Grund ist die Nutzung einer Softwarelösung in Kombination mit einem eigenen Server so ĂŒberzeugend. SelbstverstĂ€ndlich gibt es auch andere gĂ€ngige Optionen – BITKOM hat eine fĂŒr LehrkrĂ€fte wertvolle Zusammenschau von Anwendungen fĂŒr digitale Bildung verfasst, die wir Ihnen als PĂ€dagogin oder PĂ€dagoge im Schuldienst an das Herz legen möchten.

>>> Beratung fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer zu Homeschooling und Lehrergesundheit

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Wie geht Homeschooling nun aber konkret vonstatten? Derzeit ist wohl die am meisten angewendete Lösung, die Schulklassen in (fĂŒr gewöhnlich zwei) Gruppen aufzuteilen und diese abwechselnd zu unterrichten. Dabei wird die jeweils abwesende Gruppe mit Materialien versorgt und kann im Homeoffice lernen. Gleichzeitig gibt es nach wie vor viele Kolleginnen und Kollegen, die zu einer gesundheitlichen Risikogruppe gehören und gar nicht fĂŒr den PrĂ€senzunterricht zur VerfĂŒgung stehen. Dieser Spagat ist immer noch kaum möglich. Ideal wĂ€re wohl eine Verzahnung von PrĂ€senz- und Onlineunterricht, zum Beispiel in Form eines Videostreams, zu dem nur die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der betreffenden Klasse Zugang haben. Hier stehen aber in der Tat datenschutzrechtliche Bedenken im Raum, die nicht so einfach zu beseitigen sind.

Den wichtigen Punkt der Work-Life-Balance fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer sollte man auch und vor allem im Homeoffice nicht aus den Augen verlieren! Gerade, wenn nicht nur die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, sondern auch die eigenen Kinder gleichzeitig zu versorgen sind, gerĂ€t dieser Aspekt bei vielen PĂ€dagoginnen und PĂ€dagogen im Schuldienst leicht aus dem Blickfeld. Schnell ist hier ein Punkt erreicht, an dem man sich als Lehrerin oder Lehrer ĂŒberlastet und ausgebrannt fĂŒhlt.

Viele Faktoren spielen diesbezĂŒglich eine Rolle: Unklare Vorgaben seitens des Dienstherrn, unzureichende Möglichkeiten seitens der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, beengte WohnverhĂ€ltnisse und vieles mehr. Auch Eltern – oft selbst im Homeoffice – scheinen in dieser Situation geringere Hemmungen zu haben als sonst, wenn es darum geht, die LehrkrĂ€fte ihrer Kinder auch außerhalb der bislang gĂ€ngigen KanĂ€le zu kontaktieren. Schnell sieht man sich hier mit Nachrichten in der gemeinsam verwendeten Videokonferenz-Software oder Messages auf dem Smartphone konfrontiert, bei denen dann auch zu „unchristlichen“ Zeiten eine Antwort erwartet wird.

Lehrer|SchĂŒler berĂ€t Lehrerinnen und Lehrer bei allen Fragen rund um Digitalisierung und Homeschooling fĂŒr LehrkrĂ€fte, aber auch zu „Dauerbrennern“ wie Lehrergesundheit und Work-Life-Balance – zwei von etlichen maßgeschneiderten Lösungsangeboten fĂŒr LehrkrĂ€fte in deren ganz individueller Situation. Lassen Sie sich als Lehrerin oder Lehrer jetzt von unseren professionellen, kompetenten und praxiserfahrenen Coaches nach Ihren persönlichen BedĂŒrfnissen beraten!

>>> Passende Beratungsangebote von Lehrer|SchĂŒler


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