Erhalt der Lehrergesundheit im Schuldienst: Acht Stunden sind (k)ein Tag!

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Über folgendes Zitat bin ich bei der Recherche fĂŒr diesen Artikel ĂŒber ein gutes Zeitmanagement fĂŒr LehrkrĂ€fte zu Gunsten der eigenen Lehrergesundheit gestolpert:

„Mit der von der Mehrzahl der BundeslĂ€nder beabsichtigten Erhöhung der Pflichtstundenmaße wĂŒrden die [Lehrerinnen und] Lehrer systematisch krankgemacht. [
] Die aus arbeitsmedizinischer Sicht festgestellten Belastungen des Lehrerberufs sind alarmierend und [ihre Zahl ist] in den letzten zehn Jahren erheblich angestiegen. Prof. Mueller-Limmroth verweist auf die Unmöglichkeit, die berufsspezifischen Arbeitsinhalte und ArbeitsablĂ€ufe der [Lehrerinnen und] Lehrer zu verĂ€ndern. Der Arbeitsplatz der [LehrkrĂ€fte] könne nur ĂŒber den Zeitfaktor ergonomisch sinnvoller gestaltet werden. Im Interesse der LeistungsfĂ€higkeit des Schulsystems und aus der FĂŒrsorgepflicht der Dienststellen heraus gebe es zur Reduzierung der Pflichtstundenmaße keine Alternative.“ (Quelle: Fachportal PĂ€dagogik)

Das klingt aktuell? Ist es auch – stammt allerdings aus dem Jahr 1993. Die Untersuchungen von Prof. Mueller-Limmroth sind also stolze 27 Jahre alt (und dass es dazu vom gleichen Verfasser bereits Erhebungen aus dem Jahr 1980 gibt, sei nur am Rande erwĂ€hnt)! Dennoch haben sie nichts von ihrer AktualitĂ€t in Bezug auf die Arbeitsbedingungen im Lehrerberuf verloren, wie uns bei Lehrer|SchĂŒler zahlreiche Anfragen nach Beratungen fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer zum Thema Work-Life-Balance oder Arbeitsökonomisierung im Lehrerjob immer wieder zeigen.

Plötzliche VerĂ€nderungen der eigenen Arbeitsbedingungen sind selten erfreulich. Beamtinnen und Beamte sind davon naturgemĂ€ĂŸ schneller betroffen als Angestellte, weil sie aufgrund ihres besonderen Dienst- und TreueverhĂ€ltnisses rechtlich kaum vor einseitig erlassenen Anordnungen geschĂŒtzt sind. Insbesondere Deputatserhöhungen sind hierbei ein beliebtes Mittel der Kultusministerien, um einem tatsĂ€chlichen oder drohenden Lehrermangel schnell und vor allem kostengĂŒnstig abzuhelfen. Es stellt sich also die Frage, wie man sich als Lehrerin oder Lehrer selbst sinnvoll um den Erhalt der eigenen Gesundheit und Arbeitskraft kĂŒmmern kann.

>>> Was kann ich als Lehrerin oder Lehrer gegen Überlastung im Schulalltag tun?

Was kann ich nun als Lehrkraft unternehmen, um durch eine solche Maßnahme, wie sie vor einiger Zeit beispielsweise in Bayern angekĂŒndigt wurde, nicht in die berufliche Überlastung im Lehrerberuf zu rutschen? Nun, auf den ersten Blick vielleicht nicht viel. Dennoch lohnt sich auch hier der zweite Blick. „Acht Stunden sind kein Tag“, so hieß in den 70er-Jahren eine Fernsehserie des legendĂ€ren Regisseurs Rainer Werner Fassbinder. Ihm ging es darum, zu zeigen, dass Arbeit nicht alles im Leben ist. Auch fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer ist das ein passendes Motto – hier besser abgewandelt zu „Acht Stunden sind ein (Arbeits-)Tag!“ Wir bei Lehrer|SchĂŒler sind in unseren BeratungsgesprĂ€chen mit LehrkrĂ€ften im Schuldienst immer wieder mit dem Problem einer ungĂŒnstigen Work-Balance zu Lasten der Lehrergesundheit konfrontiert.

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

Hand aufs Herz: Wie lange ist Ihr Arbeitstag als Lehrerin oder Lehrer im Durchschnitt? Können Sie die acht Stunden (okay, es sind tatsĂ€chlich 8 Stunden und 54 Minuten, siehe unten) einhalten? Und haben Sie dann ein komplett freies Wochenende? Wenn Sie jetzt laut lachen (oder weinen) möchten, dann sollten Sie sich folgende Rechnung vor Augen fĂŒhren: Ihre wöchentliche Arbeitszeit betrĂ€gt 40 Stundeneinzelne BundeslĂ€nder weichen hiervon minimal ab. Das sind im Jahr (bei 250 Arbeitstagen oder 50 Wochen) 2000 Stunden, abzĂŒglich 30 Tage oder sechs Wochen Erholungsurlaub und im Schnitt neun Feiertage außerhalb der Wochenenden, also 1690 Stunden.

Verteilt man diese auf die 190 Schultage (=38 Wochen), ergibt sich eine Soll-Arbeitszeit der LehrkrĂ€fte von ca. 44,5 Stunden pro Woche, also 8,9 Stunden tĂ€glich. Bei dieser Rechnung sind aber die Wochenenden (Samstag und Sonntag) und die Ferien komplett frei! Jede Stunde, die Sie als Lehrerin oder Lehrer am Samstag, am Sonntag oder in den Ferien am Schreibtisch verbringen, geht von den 8,9 tĂ€glichen Stunden ab. Rechnen Sie einmal (ehrlich) nach, ob Sie die genannten Zeiten auch nur halbwegs erfĂŒllen können – nach unserer Erfahrung aus den Beratungen zum Thema Work-Life-Balance fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer ist das meist illusorisch.

>>> Reizthema Deputatserhöhung im Lehrdienst

Was aber hat das alles nun mit Deputatserhöhungen im Lehrerberuf zu tun? Dazu muss man sich drei Fakten zum Beruf der Lehrkraft in Erinnerung rufen:

  1. Die mit Unterricht verbrachte Zeit macht höchstens gut die HÀlfte der Pflichtarbeitszeit aus. Rechnen Sie selbst: Sogar bei einem Unterrichtsdeputat von 28 Stunden (das ist bundesweit die Höchstgrenze) betrÀgt der Anteil des Unterrichts nur 52%; bei 23 Stunden nur 43%.

  2. Die wöchentliche Arbeitszeit ist fĂŒr Beamtinnen und Beamte gesetzlich, fĂŒr Angestellte durch Tarifvertrag festgelegt und Ă€ndert sich durch eine Deputatserhöhung oder -senkung nicht.

  3. In kaum einem anderen (nicht-selbststĂ€ndigen) Beruf wird die Arbeitszeit weniger genau erfasst als bei LehrkrĂ€ften – das ist weder NachlĂ€ssigkeit noch GroßzĂŒgigkeit des Dienstherrn, sondern beabsichtigt und Teil des Systems!

Daraus ergeben sich aus Sicht von Lehrer|SchĂŒler mehrere logische Konsequenzen fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer:

  1. Egal, ob Sie nun 23, 26 oder 28 Unterrichtsstunden bestreiten mĂŒssen – die zur VerfĂŒgung stehende Zeit fĂŒr deren Vorbereitung und fĂŒr die restlichen Arbeiten bleibt insgesamt gleich; die Zeit fĂŒr die einzelne Aufgabe muss also reduziert werden. Sie fragen sich, wie das funktionieren soll? – Diese AnsĂ€tze sind Erfolg versprechend:

    • Planen Sie die einzelnen Stunden weniger akribisch!

    • Erstellen Sie Klassenarbeiten (soweit in Ihren FĂ€chern möglich) so, dass sie schnell und eindeutig zu korrigieren sind! Erstellen Sie den Erwartungshorizont vor der Korrektur! (Aber das tun Sie ja sowieso, oder?)

    • Verwenden Sie Klassenarbeiten (auch hier: soweit möglich) mit zwei bis drei Schuljahren Abstand erneut, vor allem fĂŒr Nachschriften!

    • Sicher fallen Ihnen weitere Punkte ein. Das bedarf natĂŒrlich eines gewissen Pragmatismus. Die lehrertypische Detailverliebtheit ist auch hier fehl am Platz – dieses Relikt aus Referendarstagen sollten Sie ohnehin spĂ€testens mit Antritt der ersten Stelle ĂŒber Bord werfen!

  1. Jede Lehrkraft sollte sich bewusst sein, dass es immens wichtig ist, die eigene Arbeitszeit – auch und vor allem die am hĂ€uslichen Schreibtisch verbrachte – so genau wie möglich zu erfassen. Dabei mĂŒssen auch Konferenzen und ElterngesprĂ€che berĂŒcksichtigt werden. Mittlerweile gibt es zahlreiche Apps hierfĂŒr, aber auch der gute alte Zettel hat seine Berechtigung. Sicher findet sich auch im Lehrerkalender eine Rubrik, die sich dafĂŒr nutzen lĂ€sst.

  2. Ebenfalls sollte es jeder Lehrkraft klar sein, dass es notwendig ist, aus diesen Daten die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Warum als Lehrerin oder Lehrer nicht einmal eine sich endlos ziehende Konferenz am Donnerstagabend mit folgenden Worten verlassen: „Es tut mir leid, aber ich habe soeben eine Arbeitszeit von 41 Stunden erreicht. FĂŒr morgen muss ich noch fĂŒnf Stunden vorbereiten. Ich muss jetzt leider gehen, um nicht in die Überstunden zu kommen.“ – NatĂŒrlich sollten Sie dann die Notizen ĂŒber Ihre Arbeitszeit auch vorweisen können. Denken Sie daran (und weisen Sie Ihren fassungslosen Schulleiter oder Ihre erstaunte Schulleiterin ruhig darauf hin), dass Mehrarbeit im öffentlichen Dienst stets von der oder dem Vorgesetzten angeordnet sein muss und ansonsten nicht zulĂ€ssig ist.

  3. Damit zusammenhĂ€ngend: Gibt es an Ihrer Schule eine Konferenzkultur? Falls nicht, arbeiten Sie daran! Was heißt das konkret? Nun, ganz einfach:

    • „MĂ€ĂŸig, aber regelmĂ€ĂŸig“: RegelmĂ€ĂŸige Konferenzen sollten zu festen Terminen durchgefĂŒhrt werden, die fĂŒr alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer entsprechend planbar sind. Spontane AusfĂ€lle sollten ebenso wie Zusatztermine selten vorkommen.

    • Ganz wichtig: Eine Konferenzeinladung sollte nicht nur den Beginn, sondern auch das Ende der Besprechung enthalten. Über die Vorstellung vieler Schulleiterinnen und Schulleiter, man könne das Lehrerkollegium fĂŒr 17 Uhr einbestellen und dann mit „open end” bis in die spĂ€ten Abendstunden konferieren, wĂŒrde ein Verantwortlicher in einem Unternehmen bestenfalls lachen.

Lassen Sie es nicht so weit kommen – bestehen Sie freundlich, aber bestimmt auf einem Zeitplan und einer detaillierten Tagesordnung (möglichst ohne „TOP x: Aktuelles und Diskussion“!) fĂŒr jede Konferenz. Themen, die aus ZeitgrĂŒnden nicht mehr behandelt werden können, kommen bei der nĂ€chsten turnusmĂ€ĂŸigen Besprechung auf die Tagesordnung – falls sie dann noch aktuell sind. Vieles erledigt sich nĂ€mlich auch durch Zeitablauf.

>>> Enorme Mehrbelastung fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer durch Distanzunterricht und Homeschooling

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Momentan ist die Situation an den Schulen – bedingt durch die Corona-Pandemie – chaotisch. Unterschiedliche AnsĂ€tze zur Sicherstellung des Unterrichts bestehen nebeneinander, sei es Distanzunterricht mit digitalen Mitteln, Wechselunterricht mit PrĂ€senz- und Homeschooling-Phasen oder der jetzt wieder anlaufende PrĂ€senzunterricht unter Pandemiebedingungen in Abschlussklassen. Viele LehrkrĂ€fte klagen mehr denn je ĂŒber hohe Arbeitsbelastung durch unklare Vorgaben, unzureichende technische Ausstattung (auf beiden Seiten) und ĂŒberzogene Erwartungen der Eltern. Alle diese Punkte tragen nicht gerade zu einer Verringerung der Arbeitsbelastung von Lehrerinnen und Lehrern bei.

Es gilt also mehr denn je, sich als Lehrkraft abzugrenzen und zu schĂŒtzen. Folgende Tipps aus der Beratung zu den Themen Lehrergesundheit und Work-Life-Balance bei Lehrer|SchĂŒler haben sich bewĂ€hrt: Organisieren Sie zunĂ€chst Ihren Arbeitstag möglichst so, wie Sie das auch in „normalen“ Zeiten tun wĂŒrden! Achten Sie auf ausreichende Pausen – das ist ein Punkt, bei dem Sie als Lehrkraft ausnahmsweise im Vorteil sind, wenn Sie von zu Hause aus arbeiten! Versuchen Sie außerdem PrĂ€senzphasen, in denen Sie zum Beispiel Videokonferenzen abhalten, möglichst zu begrenzen: „Wenig, aber effizient“ sollte hier das Motto sein!

Es ist erfahrungsgemĂ€ĂŸ nicht möglich, den Stundenplan aus der Schule 1:1 in Form von Videokonferenzen zu erfĂŒllen. Denken Sie hierbei auch an Ihre SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, die sich ihre EndgerĂ€te oft mit Geschwistern teilen mĂŒssen und gar nicht die Möglichkeit haben, an allen Videokonferenzen teilzunehmen. Außerdem sind digitale Meetings von ihren Anforderungen an Aufmerksamkeit, etc. etwas ganz Anderes als PrĂ€senzunterricht. Treten Sie also – möglichst mit der UnterstĂŒtzung durch Kollegen – solchen Bestrebungen der Schulleitung konsequent entgegen! Brauchen Sie Hilfe bei der Organisation Ihres Arbeitsalltags als Lehrerin oder Lehrer? Gerne stehen wir Ihnen mit unseren einschlĂ€gig qualifizierten Expertinnen und Experten fĂŒr eine kurzfristige Beratung oder langfristige Betreuung zur VerfĂŒgung – kontaktieren Sie uns jederzeit!

>>> Passende Beratungsangebote von Lehrer|SchĂŒler


Kontaktieren Sie uns jederzeit gerne!


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Ein Kommentar zu Erhalt der Lehrergesundheit im Schuldienst: Acht Stunden sind (k)ein Tag!

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