Sollten Lehrerinnen und Lehrer eigenes Geld in die Schule mitbringen?

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Sollten Lehrerinnen und Lehrer eigenes Geld in die Schule mitbringen? Klar doch – schließlich hat der Hausmeister immer so leckere belegte Brötchen in der Pause
 Aber Spaß beiseite: NatĂŒrlich soll es hier nicht um das tĂ€gliche Kleingeld fĂŒr den Pausenverkauf gehen, sondern um die grundsĂ€tzliche und unter LehrkrĂ€ften oft heiß diskutierte Frage, ob man als Lehrerin oder Lehrer eigenes Geld in Unterrichtsmaterialien und die Ausstattung fĂŒr das Klassenzimmer investieren sollte. Auch auf Lehrer|SchĂŒler wird uns diese Frage immer wieder gestellt, zum Beispiel im Zusammenhang mit unseren Coachings bei schwierigen Situationen im Berufsalltag von PĂ€dagoginnen oder PĂ€dagogen im Schuldienst oder der schwierigen Frage nach der Work-Life-Balance bei Lehrerinnen und Lehrern.

>>> Warum Lehrerinnen und Lehrer kein privates Geld fĂŒr Schulmaterialien verwenden sollten

Die Argumente beider Seiten sind wohl nachvollziehbar. Betrachten wir zunĂ€chst diejenigen der “Nein”-Fraktion. GrundsĂ€tzlich ist der Fall ja klar: Was der Arbeitgeber nicht bereitstellt, wird fĂŒr die ordnungsgemĂ€ĂŸe ErfĂŒllung der Dienstpflichten als Lehrkraft nicht gebraucht, und umgekehrt: Was wirklich benötigt wird, wird auch bezahlt. Beispielsweise unter Finanzbeamten (die den LehrkrĂ€ften ja gern die berufsbedingten Ausgaben zusammenkĂŒrzen) kĂ€me keiner je auf die Idee, eigene Stifte, eigenes Papier oder – bei Lehrern immer noch fast selbstverstĂ€ndlich – seinen eigenen Computer zu kaufen und ins BĂŒro mitzubringen.

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer | lehrerschueler.de

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Das Gleiche gilt fĂŒr praktisch alle NichtselbststĂ€ndigen, mit wenigen traditionellen Ausnahmen (so benutzen Köche und Frisöre gern ihre eigenen Schneidwerkzeuge). Wer als Lehrerin oder Lehrer bereit ist, den Arbeitsplatz auf eigene Kosten auszustatten, nimmt außerdem in Kauf, “die Preise zu verderben”. Er nötigt seine Kolleginnen und Kollegen indirekt, ebenfalls privates Geld einzusetzen, und schnell heißt es dann: “Kollege XY hat damit kein Problem, warum stellen Sie sich so an?” Sieht man sich dann mit seiner Haltung im Kollegium in der Minderheit, gerĂ€t man schnell unter Rechtfertigungsdruck. Auch dieses Problem schildern unsere Kundinnen und Kunden hĂ€ufig, wenn sie sich bei Lehrer|SchĂŒler beraten lassen, beispielsweise zum Thema „Lehrergesundheit und Work-Life-Balance fĂŒr LehrkrĂ€fte“.

>>> Ein eindeutiger Fall? – Sollten Lehrerinnen und Lehrer privat nichts fĂŒr die Schule ausgeben?

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

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Doch die andere Seite hat natĂŒrlich auch gewichtige Argumente. ZunĂ€chst liegt das Problem durchaus etwas tiefer als auf der Kollegenebene. TrĂ€ger des Sachaufwands in den Schulen ist nĂ€mlich meist die Kommune. Und was fehlt den meisten Kommunen in Deutschland? Richtig: Geld. Nun kann eine Lehrerin oder ein Lehrer natĂŒrlich diesen Mangel nicht ausgleichen und soll das auch nicht tun. Dennoch kann es sinnvoll sein, etwas mehr zu investieren als der SchultrĂ€ger bereit ist auszugeben. Fangen wir mit dem Klassenraum an: Ein paar Topfpflanzen, hĂŒbsche Poster und anderer Raumschmuck tragen zu einer entspannten AtmosphĂ€re bei, in der Lehrende und Lernende sich wohlfĂŒhlen. Da sind wir schnell wieder bei den oben angesprochenen GrundschullehrkrĂ€ften. Weil an den Grundschulen die Klassenlehrkraft die meiste Zeit mit der Klasse verbringt, hĂ€lt sie sich auch meist im gleichen Klassenzimmer auf. Der Wunsch, diesen Raum dann ansprechend zu gestalten, ist verstĂ€ndlich. Außerdem ist bekanntlich das Klassenzimmer der “dritte PĂ€dagoge“.

Doch auch LehrkrĂ€fte außerhalb der Grundschule stehen immer wieder vor der Frage, ob sie private Mittel einsetzen sollen. Sei es ein interessantes Experiment, fĂŒr das man einige Materialien kaufen mĂŒsste, sei es das arbeitserleichternde vorgefertigte Material, das in der Lehrerbibliothek nicht vorhanden ist – beides ist oft schneller und stressfreier selbst besorgt als umstĂ€ndlich beantragt (sofern man es ĂŒberhaupt bekommt). Dennoch gilt: Versuchen sollte man es immer! Nur wenn man MĂ€ngel in der Ausstattung kennt und sie immer wieder anspricht, kann man langfristig Änderungen erreichen. Gern beraten wir von Lehrer|SchĂŒler Sie daher auch zum Thema „Wie trete ich als Lehrerin oder Lehrer gegenĂŒber meinen Vorgesetzten auf?“

Nicht zuletzt ist die Arbeit einer jeden Lehrkraft in erster Linie Beziehungsarbeit. In diesem fĂŒr stĂ€dtische KĂ€mmerer und durchschnittliche Leserbriefschreiber nur schwer fasslichen Bereich wird es oft notwendig sein, sich ĂŒber das vom SchultrĂ€ger vorgesehene Maß hinaus zu engagieren. Eigene Mittel fĂŒr schulische Belange aufzuwenden kann natĂŒrlich auch mehr bedeuten als Dinge zu kaufen – auch aufgewendete Zeit ist ein wertvolles Gut. Hier muss jede Lehrerin und jeder Lehrer sorgfĂ€ltig kalkulieren, ob das „Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis“ stimmt – wir haben daher einmal eine recht detaillierte Berechnung zur vermuteten und tatsĂ€chlichen Lehrerarbeitszeit angestellt, die Sie bei einer realistischen EinschĂ€tzung des von Ihnen als Lehrkraft fĂŒr die Schule geleisteten Aufwands unterstĂŒtzen soll.

>>> Homeschooling und Distanzunterricht – ein leidiges Thema?

GrundsĂ€tzlich ist das Thema dieses Artikels, die Trennung von Privatem und Beruflichem als Lehrkraft auch in finanzieller Hinsicht, natĂŒrlich ein Dauerbrenner. Momentan wird es aber noch verschĂ€rft durch den auf immer noch unabsehbare Zeit notwendigen Distanzunterricht, den die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat. Hier stellt sich fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer noch drĂ€ngender als bisher die Frage, wie weit sie bei privat finanzierten Investitionen fĂŒr die Schule gehen sollten, um sich die notwendige Ausstattung im Homeoffice zusammenzustellen.

Lehrer|SchĂŒler - Beratung fĂŒr Schulleitungen | lehrerschueler.de

Lehrer|SchĂŒler – Beratung fĂŒr Schulleitungen | lehrerschueler.de

Wer mehr als nur gelegentlich online unterrichtet (gemeint ist „echter“ Unterricht per Videokonferenz), der wird bald feststellen, dass ein Notebook mit eingebauter Kamera und ein Mikrofon keine ausreichende Ausstattung fĂŒr diesen Zweck darstellen. Das gilt meist auch fĂŒr Lehrerinnen und Lehrern dienstlich zur VerfĂŒgung gestellte GerĂ€te, die oft den Arbeitsschutzbestimmungen nicht genĂŒgen. Schnell ist man dann bei einem guten Mikrofon, einem grĂ¶ĂŸeren Bildschirm und eventuell auch einer Dokumentenkamera angelangt und mietet – auch das haben Lehrerinnen und Lehrern schon vereinzelt getan – vielleicht sogar einen eigenen Videokonferenz-Server, um datenschutzkonform und vor allem schnell und stabil online unterrichten zu können. Was das angeht, gibt es natĂŒrlich auch clevere, kostengĂŒnstige Lösungen, zu denen wir von Lehrer|SchĂŒler Sie gern im Rahmen unseres Coachings zu Digitalisierung und Homeschooling fĂŒr LehrkrĂ€fte beraten. Dennoch gilt es auch hier, mit Augenmaß vorzugehen und sorgfĂ€ltig abzuwĂ€gen, ob einem das Ergebnis den Aufwand wert ist.

>>> Privates Geld als Lehrkraft fĂŒr die Schule verwenden: Eine Sache der individuellen AbwĂ€gung

Wie sollte man als Lehrkraft nun handeln, wenn es um die Frage geht, ob man sich auch finanziell fĂŒr die Schule engagiert? Es ist, wie gesagt, sicher nicht von vornherein abzulehnen, wenn LehrkrĂ€fte “Geld an den Arbeitsplatz mitbringen”. Dennoch sollte jede Lehrerin und jeder Lehrer in der Lage sein, fĂŒr sich eine klare Grenze zu ziehen. Dann kann man auch einmal in Abwandlung eines bekannten Werbeslogans gelassen sagen, “geht nicht, (und) gibt’s nicht”. Die Bereitschaft zum Einsatz eigenen Geldes unter LehrkrĂ€ften sollte nicht dazu fĂŒhren, dass sich der Dienstherr oder der SchultrĂ€ger entlasten können.

Eine deutliche Grenze sollte nach der Ansicht von Lehrer|SchĂŒler zum Beispiel da erreicht sein, wo die Lehrkraft Klassenfahrten oder Schulfahrten selbst zahlen soll, und sei es nur anteilig. FĂŒr deutliche Mehrarbeit (die im Rahmen einer Klassenfahrt immer anfĂ€llt) nicht auch noch Geld zu bezahlen, sollte selbstverstĂ€ndlich sein! Hier hat sich in den letzten Jahren aber schon viel getan. In vielen BundeslĂ€ndern gehören Klassenfahrten nicht mehr zu den Dienstpflichten. Man kann sie als Lehrerin oder Lehrer also auch ablehnen. In anderen Teilen des Landes können Fahrten nur genehmigt werden, wenn sichergestellt ist, dass die LehrkrĂ€fte die Kosten voll erstattet bekommen. Gerade auf diesem Gebiet gilt, dass man den Kolleginnen und Kollegen nicht durch Selbstzahlung – siehe oben – in den RĂŒcken fallen sollte, wenn eine Fahrt nicht anders möglich ist als durch einen Eigenanteil der LehrkrĂ€fte. Dann findet die Reise eben nicht statt (Eltern haben ĂŒbrigens meist mehr VerstĂ€ndnis fĂŒr diese Maßnahme als man zunĂ€chst denken wĂŒrde!).

>>> Passende Beratungsangebote von Lehrer|SchĂŒler


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