Das Lehramtsreferendariat reformieren! – Ein Pl├Ądoyer f├╝r eine ganz neue Art der Lehrerausbildung

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Heute fassen wir von Lehrer|Sch├╝ler ein ganz hei├čes Eisen an: Wir machen uns Gedanken ├╝ber eine m├Âgliche Reform des Lehramtsreferendariats – eine Modernisierung, die aus unserer Sicht l├Ąngst ├╝berf├Ąllig ist. Wir denken unser Modell dabei konsequent aus Sicht von Referendarinnen und Referendaren und „fertigen“ Lehrkr├Ąften. Die Sichtweise von Eltern sowie Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern zum Thema Schulsystem und was deren Meinung nach darin schliefl├Ąuft, kann man an anderer Stelle im Netz ohne viel Rechercheaufwand nachlesen. Unser Pl├Ądoyer f├╝r eine modernere Lehrerausbildung greift dabei Erkenntnisse auf, die wir in vielen Jahren der Beratung und des Coachings von ausstiegswilligen und in Ausbildung befindlichen Lehrkr├Ąften sowie von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern wie auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern in den Lehrerberuf gewonnen haben.

Unsere Darstellung soll als Beitrag zu einem Schul- und Lehrsystem verstanden werden, das k├╝nftig einen gr├Â├čeren Fokus auf eine nachhaltige Achtung der Lehrergesundheit und einen Abbau der hohen Zahl an depressiven Lehrkr├Ąften legt. Ein vergleichsweise wohlhabendes Land wie Deutschland kann und darf es sich nicht leisten, seine (wenn auch im internationalen Vergleich – sofern verbeamtet – gut bezahlten) Lehrkr├Ąfte zu „verheizen“ und deren psychisches Wohlergehen politischen Zielen und R├Ąnkespielen zu opfern. Heute wollen wir einen Weg aufzeigen, wie das gelingen kann, wenn man einen gewissen Willen zeigt, Althergebrachtes zu ├╝berdenken und kontinuierliche Innovation ├╝ber den Wert der Tradition stellt. Denn ein konservatives Weltbild passt aus unserer Sicht keineswegs zu einem eigentlich h├Âchst kreativen Beruf wie dem der Lehrkraft.

>>> Forderung 1: Verk├╝rzung und Verdichtung der Schulzeit auf ein angemessenes Ma├č

Ja, wir von Lehrer|Sch├╝ler beginnen tats├Ąchlich mit einer Kritik am Schulsystem an sich, denn Lehrerausbildung beginnt schon in der Zeit, in der angehende Lehrkr├Ąfte selbst noch Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler sind. Es ist auch zur Erf├╝llung des gymnasialen Leistungsgedankens und zur Umsetzung eines humanistischen Ideals schlicht nicht notwendig, Jugendliche bis ins junge Erwachsenenalter zwangszubeschulen. Niemand braucht 12 oder 13 vollgepfropfte Schuljahre, die inhaltlich k├╝nstlich aufgebl├Ąht sind mit Unterrichtsinhalten, die letztendlich keine oder nur eine marginale praktische Relevanz im Berufsleben des 21. Jahrhunderts haben. Wer sich ausf├╝hrlich kognitiv fortbilden m├Âchte, kann dies w├Ąhrend der anschlie├čenden Studienzeit noch immer nach Gutd├╝nken bis zur individuellen Wissensmaximierung tun – und vielleicht mit mehr Gewinn und Nachhaltigkeit als es mit 16 oder 17 m├Âglich ist.

Hinter dem Buzzword „Kompetenzorientierung“ verbirgt sich ein h├Ąufig mit Theorie ├╝berladenes theoretisches Konstrukt, das man je nach Standpunkt nahezu zur Beliebigkeit mit Scheininhalten ├╝berfrachten kann. Das rechtfertigt aber in keinem Fall eine Aufbl├Ąhung der Gesamtbeschulungsdauer eines studierwilligen jungen Menschen. Will dieser beispielsweise sp├Ąter als Lehrkraft arbeiten, ist es wichtiger, dass er schnell „ins Tun“ kommt und seinen Berufswunsch, Lehrerin oder Lehrer zu werden, baldm├Âglichst praktisch erproben kann – anstatt ausufernde Details ├╝ber die letzten Winkel wissenschaftlicher Denkrichtungen in der Schule oder belanglose Allgemeinpl├Ątze ├╝ber P├Ądagogik w├Ąhrend ├╝berfrachteter Vorlesungen an der Universit├Ąt zu pauken.

>>> Forderung 2: Straffung und Fokussierung des Lehramtsstudiums auf das Wesentliche

Lehrer|Sch├╝ler - Beratung f├╝r Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Lehrer|Sch├╝ler – Beratung f├╝r Lehramtsreferendare | lehrerschueler.de

Eines der gr├Â├čten ├ťbel des Lehrerberufs beginnt nach der Ansicht von Lehrer|Sch├╝ler bereits im Studium f├╝r ein Lehramt: Es ist ein Unding, dass die Ausbildung zur Lehrkraft in Deutschland heutzutage noch immer eine gef├Ąhrliche Einbahnstra├če ist. Das liegt daran, dass Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten neben einigen wenigen fadenscheinigen Praktika, die in der Regel kaum Erkenntnisgewinn bringen, den eigentlichen Lehrerberuf erst dann wirklich kennenlernen, wenn ein Gutteil ihrer Ausbildung bereits gelaufen ist. Nach einem halben Jahrzehnt des Lehramtsstudiums ist es meist kaum mehr als eine theoretische M├Âglichkeit, sich an dieser Stelle als angehende Lehrerin oder k├╝nftiger Lehrer noch einmal beruflich umzuorientieren, wenn man merkt, dass die Realit├Ąt im Klassenzimmer nichts mit der Illusion aus gesch├Ânten Lehramtsvorlesungen zu tun hat. Niemand m├Âchte mit Mitte-Ende Zwanzig noch einmal vor dem beruflichen Nichts stehen.

Dar├╝ber hinaus sind Lehramtsstudentinnen und -studenten, die sich beruflich umentscheiden, schlichtweg f├╝r keinen anderen Berufsweg ausreichend qualifiziert, wenn sie nur den vorgesehenen Weg gegangen sind. H├Ąufig wird behauptet, sie seien doch besonders gut im Abstrahieren, Planen, Organisieren und in der Wissensvermittlung. Doch das ist aus unserer Sicht Augenwischerei, denn erstens sind sie das ja gerade nicht – sonst w├╝rde ihnen der eingeschlagene Weg sicher leichter fallen – und zweitens erwirbt man diese „Kompetenzen“ auch in jedem anderen Studiengang – vom etwas diffusen „Skill“ der „Wissensvermittlung“ vielleicht einmal abgesehen. Im Lehramtsstudium lernt man viel „Meta“wissen, Wissen ├╝ber Wissen und seine Vermittlung an sich. Aber praktisch verwertbare „Skills“ f├╝r eine Welt au├čerhalb des Klassenzimmers, da sieht es doch nach wie vor sehr mau aus.

Das Lehramtsstudium ist vielerorten recht selbstreferentiell und Vieles bleibt herrlich irrelevant f├╝r die konkrete Lebenswirklichkeit. Wiederholungen dr├Âger Abhandlungen sind noch immer gang und g├Ąbe, frucht- und sinnlose Pseudodiskussionen an der Tagesordnung und die Relevanz so mancher Vorlesung darf mehr oder weniger stark angezweifelt werden.┬á Also: Weniger „Was ist guter Unterricht?“, mehr praktische ├ťbung im F├╝hren von Elterngespr├Ąchen! Weniger „Nennen Sie die Vorteile von Gruppenarbeit!“, mehr „Wir zeigen Ihnen jetzt, wie Sie dem 14-j├Ąhrigen M├Ądchen mit drei Sechsern in Deutsch, Mathematik und Englisch wieder auf die Beine helfen“! Weniger pseudointellektuelles Geschwafel ├╝ber (vermutete) behavioristische Folgen des Einsatzes eines Gongs im Unterricht der zweiten Klasse, mehr praktisches Ausprobieren (und dann wieder Seinlassen) vor Ort im Klassenraum – mit echten Menschen!

Man kann man mit Fug und Recht behaupten, dass man in den meisten Lehramtsstudieng├Ąngen doch recht gro├čz├╝gig straffen k├Ânnte. Die fachlichen Anteile des Studiums, die tats├Ąchlich eine praktische Relevanz f├╝r den doch sehr konkreten Berufswunsch „Lehrerin“ oder „Lehrer“ haben, k├Ânnte man gut und gerne in vier konzentrierten Semestern unterbringen. Inhalte aus dem Bereich der Schulp├Ądagogik, Allgemeinen P├Ądagogik, der Schulpsychologie oder des Erziehungswissenschaftlichen Studiums allgemein haben ihren angemessenen Platz im Referendariat, also nach absolvierter Erster Staatspr├╝fung. Ein Kombisemester aus den Grundz├╝gen des „EWS“ und der jeweiligen Fachdidaktik an der Universit├Ąt reicht v├Âllig aus, um zu erahnen, worauf man sich dann im Referendariat mit Sinn und Verstand und in aller Tiefe einlassen k├Ânnte – wenn ohnehin klar ist, dass man sich definitiv f├╝r den Lehrerjob entschieden hat.

>>> Forderung 3: Angleichung des Referendariats f├╝r Lehr├Ąmter an die Realit├Ąt

Der Vorbereitungsdienst f├╝r ein Lehramt ist ein ganz eigener Kosmos mit eigenen Gesetzen und wird vielerorten zu etwas hochstilisiert, das er nicht ist und streng genommen auch gar nicht sein muss. Ein „Belastungstest“ von bis zu zwei Jahren, der psychisch und fachlich weit fordernder ist als die gesamten 40 Jahre danach, darf wohl als unverh├Ąltnism├Ą├čig bezeichnet werden. Wenn Seminarleiter in den ersten Sitzungen landesweit mit Stolz von den hohen Abbrecherquoten an ihrem Seminar schwadronieren, sollte der kritisch denkende Ex-Student gezielt hinterfragen d├╝rfen, ob das so sein muss, ohne bel├Ąchelt oder mit dem Hammer der Amtsautorit├Ąt in die Schranken gewiesen zu werden. Wenn Seminarlehrer zwei Drittel der Zeit Referendarinnen und Referendare f├╝r den angeblich falsch gew├Ąhlten methodischen Ansatz in der Probe-Unterrichtsstunde vor versammelter Mannschaft herunterputzen, selbst aber rein frontal „unterrichten“ und die Wissensvermittlung im Austeilen vorbereiteter Protokolle besteht, die dann im Seminar selbst gemeinsam vorgelesen und „diskutiert“ (├á la „Wer err├Ąt zuerst, worauf der Seminarlehrer hinaus will?“) werden, muss man sich schon fragen, ob das Lehramtsreferendariat in dieser Form nicht etwas aus der Zeit gefallen ist.

Lehrer|Sch├╝ler - Beratung f├╝r Schulleitungen | lehrerschueler.de

Lehrer|Sch├╝ler – Beratung f├╝r Schulleitungen | lehrerschueler.de

Ein modernes Referendariat im Lehramt sieht nach den Vorstellungen von Lehrer|Sch├╝ler so aus: Es ist grunds├Ątzlich zweigeteilt in ein erstes Jahr, in dem die angehenden Lehrerinnen und Lehrer etwa 50% ihrer Zeit an der Schule aktiv unterrichten und ein zweites Jahr, das bereits das erste eigenst├Ąndige Jahr im Beruf ist. Im Rest der Zeit des ersten Jahres werden sie von einer Betreuungslehrkraft mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung individuell gecoacht. Dieser pers├Ânliche Ansprechpartner ist keinesfalls identisch mit der Person, die sp├Ąter die Beurteilung schreibt oder in irgendeiner Form an der Notenvergabe im Referendariat beteiligt ist. Ebenfalls in der unterrichtsfreien Zeit werden in komprimierter Form die wesentlichen (!) Inhalte aus den Bereichen P├Ądagogik/Schulp├Ądagogik, Psychologie/Schulp├Ądagogik, Schulrecht und Staatsb├╝rgerkunde vermittelt, in zeitgem├Ą├čen Lernsettings und an den Bed├╝rfnissen der jeweiligen Lerngruppe orientiert.

Das zweite Referendariatsjahr sollte bereits das erste Berufsjahr sein, mit vollst├Ąndiger Lehrerbezahlung und maximaler Eigenst├Ąndigkeit und daher einer Jobgarantie/Planstelle. Lehrerbedarfsprognosen stellt jedes verantwortlich handelnde Ministerium regelm├Ą├čig auf und aktualisiert diese vor allem auch kontinuierlich, so dass diese festen Stellen den angehenden Lehrkr├Ąften bei entsprechender Planung bereits beim Antritt des Referendariats zugesichert werden k├Ânnen. Freiwillige Crashkurse, die als Fortbildungen behandelt werden, sowie ein individueller Ansprechpartner, der bei Bedarf w├Ąhrend des ganzen zweiten Jahres jederzeit kontaktiert werden kann, runden die Berufsreife der ehemaligen Referendarinnen und Referendare ab. Der individuelle Coach k├Ânnte grunds├Ątzlich auch fertig ausgebildeten Lehrkr├Ąften als vertraulicher Ansprechpartner und daher von der Schulleitung unabh├Ąngige Instanz dem gesamten Kollegium zu Gute kommen.

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